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Geschichte der Juden.
Schwiegersohn des halbsabbatianischeu Rabbiners Benjamin Kohenin Reggio (o. S. 304). Bassan hat ihm mystisches Gift in diegesunden Säfte eingeimpft. Indessen hätte ihn wohl auch jederandere Lehrer in die Jrrgänge der Kabbala, aus denen kein Auswegwar, eingeführt. Die Luft, welche in den Ghettos wehte, war mitkabbalistischen Stoffen geschwängert. Täglich hörte Luzzatto vonJugend auf, daß große Adepten der Mystik einen eigenen Schutzgeist(Uaxxiä) gehabt hätten, der ihnen täglich Offenbarungen von obengebracht habe, in jüngster Zeit Mose Zacut eben so gut, wie früherJoseph Karo und Isaak Lurja. Warum sollte nicht auch er diesergöttlichen Gnadengabe gewürdigt sein? Lurjanisch-mystische Schriften,damals noch eine Seltenheit, waren ihm in die Hände gerathen; erlernte sie auswendig, vertiefte sich darin, und diese vollendeten seineVerirrung. Dabei begegnete Luzzatto eine eigene Täuschung. Sein vonNatur klarer, auf geordnetes Denken eingerichteter Verstand, seinfeiner Sinn für die Einfachheit und Schönheit der biblischen Poesieund sein ästhetisches Vcrständniß für die italienische und lateinischeLitteratur drängten ihn dazu, auch in dem Chaos der Kabbala, derenGöttlichkeit ihm feststand, nach Klarheit und Gemeinverständlichkeitzu ringen. Er glich in keinem Punkte den wirren Schwärmern MoseZacut oder Mardochai von Eisenstadt, er begnügte sich nicht mithohlen Formeln und Floskeln, sondern suchte nach Inhalt und Gehalt.Diesen fand er aber mehr in seinem eigenen Geiste, als im Soharoder in den lurjanischeu Schriften. Er aber lebte in der Täuschung,daß ein göttlicher Geist ihm den tiefen Einblick in die Kabbala er-schlossen, die Räthsel gelöst, den Knäuel entwirrt hätte. Selbstbetrugverschuldete Luzzatto's Verirrung. Seine religiöse Innigkeit, statt ihnzu schützen, brachte ihn nur noch tiefer hinein. Sie war von derUeberzeuguug bevormundet, daß das bestehende Judenthum mit seinenAuswüchsen ohne die Kabbala unverständlich bleibe, daß nur durchihre Theorie die Erscheinungen, Kämpfe und Gegensätze in der Welt,sowie die tragische Geschichte des jüdischen Volkes erklärt werden könne.Israel, das Volk Gottes, der edelste Theil der Schöpfung, stehegeschwächt und gedemüthigt auf der untersten Stufe der Völkerleiter,seine Lehre werde verkannt, sein Streben geächtet. Woher diese Er-scheinung? Um sie zu erklären, baute Luzzatto ein System ausSpinugewebfäden auf, das sich in folgender Gedankenreihe zusammen-asfen läßt.
Die niedere Welt sei von Gott so geschaffen und eingerichtet,daß sie das Abbild der höheren Welt (OIsm da-^silut) abspiegele,und sei auch mit ihr so verbunden, wie die Tasten mit einem Saiten-