Luzzatto.
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und die Sprache frei von Schwulst und Ueberladung Z. Auch seinehebräische Prosa stach wohlthuend ab gegen den geschmacklosen, ver-schnörkelten, witzelnden Styl seiner jüdischen Zeitgenossen; sie hatvieles von der Einfachheit, Glätte und Lebendigkeit der biblischenDarstellung. Ehe Luzzatto noch das zwanzigste Jahr erreicht hatte,dichtete er hundert und fünfzig Psalmen, die allerdings nurNachbildung des alten Psalters sind, aber Reinheit und Innigkeitder Sprache athmen. In derselber Zeit hat er vielleicht sein zweiteshebräisches Drama geschaffen (der hohe Thurm oder die Harm-losigkeit der Tugendhaften) in vier Aufzügen, in schönem Versbau,wohllautender Sprache und anmuthigen Bildern, aber arm an Ge-danken. Der jugendliche Dichter hatte noch nicht den Blick in's volleLeben gethan, hatte noch keine scharfe Beobachtung für die Gegen-sätze und Kämpfe. Er kannte weiter nichts als das idyllische Familien-leben und das friedliche Lehrhaus. Selbst Tugend und Laster, Liebeund Selbstsucht, die er in diesem Drama darstellen wollte, waren ihmnur vom Hörensagen bekannt. Seine Muse zeigte sich nur beredt,wenn sie von Gottes Erhabenheit singt. Einzelne Verse sind un-tadelhaft, aber das Ganze nimmt sich noch schülerhaft aus. Er wardamals noch zu sehr von italienischen Mustern abhängig, er schrittnoch auf Stelzen.
Diese Leichtigkeit und Gewandheit, ureigene und überkommeneGedanken in eigene und fremde Formen zu kleiden, sein Gestaltungs-trieb, das Ueberströmen seiner halbreifen Gedanken, die, wenn erdiesen Drang hätte zur Vollendung bringen können, ihm und demJudenthum hätte zum Segen gereichen können, verwandelten sich ineinen Fluch. Eines Tages (Siwan 1727) überkam ihn die Lust, auchdie dunkele Sprache des Sohar nachzubilden, und es gelang ihmdabei eben so gut, wie bei den Psalmen, Sätze und Wendungen demSoharstyle täuschend ähnlich zu machen, eben so volltönend, scheinbartief und dennoch hohll Dieses Gelingen erfüllte ihn mit Schwindelund führte ihn auf Abwege. Anstatt sich zu sagen, wenn die soharistisch-kabbalistische Darstellungsweise nachgeahmt werden kann, so hat sieeinen gewandten menschlichen Urheber gehabt, folgerte Luzzatto um-gekehrt: auch sein eigenes Gestaltungsvermögen stamme nicht ausseiner Begabung, sondern sei, dem Sohar gleich, das Erzeugniß einerhöheren Eingebung. Er theilte nämlich die Verkennung seiner Zeitüber Ursprung und Werth der Kabbala. Sein Jugendlehrer, JesaiaBassan in Padua, war ein hohlköpfiger Kabbalist, Jünger und
*) Proben davon hat Almanzi mitgetheilt in Xsrsrn Obsrasä III, x. 139.