Geschichte der Juden.
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Juden, die andere unter den Christen, erlernte auch Luzzatto in zarterJugend; aber sie hatten auf seinen Geist eine ganz andere Wirkungals auf seine Altersgenossen. Beide befruchteten seine natürlichenAnlagen und förderten sie zu schöner Entfaltung. Die lateinischeSprache öffnete ihm das Reich des Schönen und die hebräischedie Pforten des Erhabenen. Luzzatto besaß eine zartbesaitete Dichter-seele, eine Aeolsharfe, die jeder Lufthauch in harmonisch wohltönendeSchwingungen versetzte. Seine poetische Begabung zeigte zugleich
Kraft und Lieblichkeit- Fülle der Phantasie und Bilderreichthnm,
gepaart mit Ebenmaaß. Wer an Seelenwanderung glaubte, könnteungescheut sagen- die Seele Jehuda Halcvi's, des castilianisch-hebräischen Sängers, sei in Luzzatto wiedergeboren worden, nur nochvollendeter, reifer und zarter mit noch feinerem Sinn für Wohlklang,weil er von der gewissermaßen musikalischen Atmosphäre seines Vater-landes Italien umflossen war. Schon in zartem Knabenalter*) gestaltetesich ihm jeder Vorfall freudiger oder trauriger Art zu einem ab-gerundeten Bilde, einem kleinen Kunstwerke, worin sich zugleich Schmelzund Wohllaut offenbarten. Ten geheimen Zauber der Sprache, dieGesetze der Harmonie, welche iu der höheren Beredsamkeit ebenso gutwie in der Poesie liegen, die Anmuth des Rhythmus und Tonfallserkannte der siebzehnjährige Jüngling in so durchsichtiger Klarheit,daß er eine Schrift darüber ausarbeitete und schöne Beispiele ausder heiligen Poesie zur Beleuchtung dafür auswählte. Er dachtedaran, in die neuhebräische Poesie ein neues Versmaß einzuführen,um einen reicheren Wechsel von Längen und Kürzen und damit einenmusikalischen Tonfall zu erzielen. Man legt gewöhnlich die hebräischeSprache zu den Todten. In Luzzatto war sie lebensvoll, frisch,jugendlich rein und wohlklingend. Er behandelte sie wie ein gefügigesInstrument und entlockte ihr süße Töne und einschmeichelnde Weisen:er verjüngte sie, verlieh.ihr eine seltene Lieblichkeit, kurz er Webte inihr, als hätte sein Ohr die vollen Töne der jesaianischen Beredsamkeitmit vollen Zügen eingesogen. Unvergleichlich begabter als JosephPenso de la Vega (o. S. 179) dichtete Luzzatto ebenfalls im sieb-zehnten Lebensjahre ein Drama aus der biblischen Welt: Simsonund die Philister. Diese Jugendarbeit läßt bereits den vollendetenMeister ahnen; der Versbau ist untadelhaft, die Gedanken sind neu
*) 1721, also im 14 ten Lebensjahre, dichtete er eine schöne Elegie auf denTod des Isaak Vita Kohen Cantarini (o. S. 258, Anmerk.) fJsaakCantarini starb vielmehr am 5. Siwan 1723 (Berliners Magazin VI, 181) odervielleicht gar erst am 5. Siwan 1738 (Monatsschrift XXX, 542.) Damalswar also Luzzatto 16 oder 31 Jahre alt.) '