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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

in den Bann gethan (2. Juli 1722 ^). Die beim sabbatianischen Un-fug und bei Uebertretung des Judenthums Ertappten mußten einöffentliches Bekenntniß ablegen, sich Bußen unterwerfen und eine Zeitlang Trauerkleider anlegen. Die Unbußfertigen wurden der Züch-tigung roher Edelleute überwiesen. Dasselbe Verfahren wurde auchin anderen Gemeinden gegen die Sabbatianer eiugeschlagen. Aberdurch solche Mittel konnte diese Sekte nicht unterdrückt werden. IhreGlieder waren von einer fanatischen Begeisterung getrieben, denTalmud, gewissermaßen den Lebensodem der polnischen Juden, zuverhöhnen und die Kabbala mit ihrer eigenen Bibel, dem Sohar, andessen Stelle zu setzen; sie arbeiteten daran, diesen Plan in Vollzugzu setzen.

Heimlich schickten ihre Führer (1725) einen Sendling in MoseMeir Kamenker nach Mähren, Böhmen und Deutschland, um sichmit den geheimen Sabbatianern dieser Länder in Verbindung zu setzen,vielleicht auch um Geld für ihr Unternehmen zusammen zu betteln.Unentdeckt durchreiste er viele Gemeinden. Wer konnte es diesemPolnischen Bettelrabbinen ansehen, der talmudisch zu disputiren ver-stand und überfromm scheinheilig die Augen verdrehte, welche Ge-sinnung er im Innern hegte? In Proßuitz kam Mose Me'ir mitLöbele zusammen, jenem plumpen Schwindler, welcher eine eigeneTheorie hatte: Gott habe seine Weltregierung dem Frömmsten, d. h.dem in die Kabbala am tiefsten Eingeweihten, vollständig überlassen.Ein solcher sei Gottes Stellvertreter auf Erdens. Zuerst sei esSabbatal Zewi gewesen, dann sei dessen Seele in andere Frommeeingezogen, in Jonathan Eibeschütz und auch in ihn selbst. MoseMeir trat auch in Verbindung mit Jonathan Eibeschütz in Prag, der,obwohl noch jung, als der gründlichste und scharfsinnigste Talmudistgalt, aber auch von der sabbatianischen Kabbala umgarnt war^). MoseMeir drang unerkannt bis Mannheim vor, wo ein heimlicher Sabba-tianer von Juda Chaßid's Gesindel, sein Schwager Jesaia Chaßidaus Zbarar, hauste, der zwar seinen sabbatianischen Glauben öffentlichabgeschworen hatte, aber nichts desto weniger sich unter seinen Genossenfür den wiedergeborenen Messias ausgab. Von Mannheim aus warfendiese beiden polnischen Sabbatianer ihre Netze aus und bethörten dieEinfältigen mit soharistischem Phrasengeklingel. Ihre Hauptlehre be-stand darin: die an dem Talmud Hangenden Juden hätten nicht den

*) Emden Norat ba Xsnaot p. 33 b fg. Dcknt bs ckalrob p. 50 b fg.;über Elisa Schor s. Graetz, Frank und die Frankisten.

") S. Note 4.