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Die podolischen Sabbcitianer.
letzte rabbinische Autorität im Morgenlande, Jehuda Rosanes^) —knüpften aber ausdrücklich die Bedingung daran, daß er sich nimmer-mehr über kabbalistische Punkte lehrend, predigend oder veröffentlichendauslassen dürfe, und Chajon verpflichtete sich dazu mit einem feier-lichen Eide (Aug. 1724) — freilich um ihn gelegentlich zu brechen.Mit einem Schreiben, welches seine Wiederaufnahme in die jüdischeGemeinschaft bezeugte, eilte er nach Europa zu neuen Abenteuern undSchwindeleien.
Inzwischen war der sabbatianische Taumelgeist in Polen erwacht.In Podolien und in der Umgegend von Lemberg, in Zolkiew,Zloczow, Rohatyn, Podhay'ce, Horodenka und andern Städt-chen war die Giftsaat aufgeschossen, welche der polnische AbenteurerChajjim Malach seit seiner Rückkehr aus der Türkei ausgestreut hatte.Die Führer der Polnischen oder podolischen Sabbatianer waren zumTheil ehemalige Genossen des Wanderpredigers Juda Chaßid (o. S. 307),wie Mose Woydaslaw, der gleich seinem Meister das Himmelreichnoch immer durch strenge Kasteiung fördern zu können meinte. Anderefolgten einer ganz entgegengesetzten Lehre: nicht durch Fasten undAskese könne die Erlösung eintreten, sondern gerade durch Aufhebungsämmtlicher Gesetze des Judenthums und auch der Sittlichkeit, miteinem Worte durch die äußerste Zügellosigkeit und Befreiung von jederreligiösen und moralischen Schranke. Unter diesen sabbatianischen oderMalach'schen Lehrern der Zuchtlosigkeit waren geschulte Talmudkundige:Feischel Zloczow, ein verwegener Mann, der äußerlich den Streng-frommen spielte, Stunden lang im Gebet zubrachte, heimlich aber auder Auflösung des Judenthums arbeitete. Von seinen Gesinnungs-genossen sind nur noch bekannt geworden: sein Schwager Mose Me'irKamenker aus Zolkiew, Isaak Kaidaner und Elisa RohatinS chor, Nachkomme einer polnisch-rabbinischen Autorität, der spätermit seiner ganzen Familie offen und erbittert das Judenthum be-kämpfte. Es liegen haarsträubende Zeugnisse von dem Treiben dieserpodolischen Sabbatianer vor, die sich im Pfuhl schamloser Lüstern-heit, und zwar mit frommer welterlösender Miene, gewälzt haben sollen-Ihre Uebertretung und Verachtung des talmudischen Jndenthums undder Sittlichkeit betrieben sie lange Zeit heimlich, warben aber umAnhänger, predigten und legten zur Deckung ihrer zuchtlosen Theorienden Sohar aus. Als ihre Sekte sich vergrößerte, lüfteten sie einwenig ihre fromme Maske, traten kecker auf und wurden vom Lem-berger Rabbinat feierlich i» der Synagoge bei ausgelöschten Kerzen
*) Vers, des scharfsinnigen rabbinischen Commentars Lliselrns Is.-Llsl6oli,st. um 1727 (Asula'i s. v.)