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Geschichte der Juden.
sein Haus oder reichte ihm eine Labung. Wie Kain mußte er fluch-beladen von Ort zu Ort durch Europa flüchten. Im Toskanischenwollten ihm einige Anhänger (Sabbatianer?) einen freundlichenEmpfang bereiten. Aber der Vorstand der Livorner Gemeinde setztees beim Herzog durch, daß er das Land nicht betreten durfte (Juli1714). So mußte er sich eiligst nach Constantinopel einschiffen. Ihmfolgten neue Verketzerungsschriften nach, nicht nur von Chages undNaphtali Kohen, sondern auch von dem geachteten Kabbalisten JosephErgas und von dem Londoner Prediger David Nieto, der inhebräischer und spanischer Sprache in ruhigem Tone die Ketzerei, Ver-logenheit und Verworfenheit dieses heuchlerischen Sabbatianers aus-einandersetzte.
In Constantinopel wurde Chajon, sobald er sich blicken ließ, vonden Juden gemieden und wie ein Ausgestoßener behandelt; aber dieAmsterdamer Empfehlungsbriefe bahnten ihm den Weg zu einemder Wesire, der seinen jüdischen Agenten befahl, ihm Unterstützungzukommen zu lassen. Aber trotz seiner Ränke mochte das Rabbi-nat von Constantinopel nicht den Bann von seinem Haupt lösen,sondern wies ihn an das Jerusalemer Collegium, von dem seine Aech-tung zuerst ausgegangen war. Hier, wo sein Feind Abraham Jizchakieine gewichtige Stimme hatte, konnte er die Lösung des Bannes nochweniger durchsetzen. Es scheint ihm aber gelungen zu sein, von einigenWinkelrabbinen in Hebron, wo der Sabbatianer Abraham CuenquiEinfluß hatte, seinen Wunsch erfüllt zu sehen (Oct. 1715). Damithatte er aber noch wenig gewonnen, wunderte abermals abenteuerndumher, wollte sich den Salonicher sabbatianischen Donmäh anschließenund buhlte, von diesen abgewiesen, wieder um die Gunst der Rabbinen.Endlich kam er wieder nach Constantinopel, und hier fand er dieses-mal eine kräftigere Unterstützung bei dem Großwesir, welcher dem ChachamBaschi den Befehl zugehen ließ, Chajon vom Banne zu lösen. Sogareiner der Rabbiner, welcher den Bann mit unterzeichnet hatte, ChajimAlfandari, gab sich viele Mühe für ihn und wollte ihn noch dazumit Naphtali Kohen aussöhnen, der nach Vereitlung seiner Hoffnung,das Rabbinat von Posen wieder zu erlangen, über Polen nach Pa-lästina gehen wollte und eine Zeitlang in Constantinopel weilte. Aberdieser konnte es nicht über sich gewinnen, in die Hand des Schelmenund Ketzers einzuschlagen. Auch das Constantinopotitaner Rabbinatwar nicht so leicht dazu zu bewcgeu, ihn wieder in die Gemeinschaftaufznnehmen. Es vergingen mehrere Jahre, bis sich drei wahrschein-lich durch den Wesir eingeschüchterte Rabbinen bereit finden ließen,Chajon vom Banne zu befreien. Diese Drei — darunter auch die