Chacham Zewi und Chages verbannt. 323
in die Portugiesische Hauptsynagoge geführt, und dort wurde mit ihmzur Kränkung der Gegner wahre Abgötterei getrieben. Der falscheProphet, welcher offen ausgesprochen hatte: „Kommt, lasset unsfremden Göttern dienen", er wurde von den Portugiesen, welche fürdie Einheit Gottes Gut und Leben eingesetzt hatten, mit Huldigungenüberhäuft. Sie riefen in der Synagoge Chajon ein „Lebehoch"und den Gegnern ein „Untergang" zu. Chajon mochte im Stillenüber die Mystificationen, die er angestiftct, und die Leichtgläubigkeitder Menge am meisten gelacht haben. De Pinto sorgte dafür, daßChacham Zewi von seiner eigenen deutschen Gemeinde nicht unterstützt,ja der Mißhandlung seiner Gegner schutzlos überlassen wurde. Erbefand sich wie ein Vereinsamter, fast wie ein Gebannter.
Aber von auswärts traf Hilfe für Chacham Zewi ein. DiejenigenRabbinen, deren angebliche Empfehlungsschreiben Chajon seiner Schriftvorgedruckt chatte, erklärten dieselben geradezu als gefälscht. DasNikolsburger Rabbinat (Mähren) legte ihn in den Bann. NaphtaliKohen setzte in einem Sendschreiben Chajon's Schliche, Spiegelfechte-reien, Gemeinheiten und Unsittlichkeiten auseinander. Den tiefstenEindruck machten die Sendschreiben des allverehrten greisen Rabbinersvon Mantua, Leon Brieli (o. S. 292), der die häßliche Vergangen-heit des Schwindlers nur zu gut kannte, ihn unumwunden entlarvteund dem Verdammungsurtheil gegen dessen ketzerische Schrift beitrat.Innig und dringend schrieb Brieli an den Amsterdamer Vorstand undan Ayllon (italienisch und hebräisch) und beschwor sie, einer so schlechtenSache nicht ihre Autorität zu leihen. Diese blieben aber bei ihremTrotze, antworteten ihm höflich, aber ablehnend. Indessen wuchs der> Streit in der Amsterdamer Gemeinde mit jedem Tage mehr, Jeder-mann nahm Partei für und wider und vertheidigte seine Ansicht mitErbitterung, Leidenschaftlichkeit und nicht selten Thätlichkeit. DerFrieden war aus dieser musterhaften Gemeinde gewichen, und dieZwietracht Pflanzte sich in das Familienleben fort. Es war so weitgekommen, daß die Hauptgegner gar nicht mehr nachgeben konnten.Ayllon und de Pinto gingen aber in ihrer Halsstarrigkeit immerweiter. Auf ihre Veranlassung lud der portugiesische Vorstand ChachamZewi, den Rabbiner der deutschen Gemeinde, über den ihm gar keineBefugniß zustand, vor seine Schranken, in der Absicht, ihn zu be-schämen oder zum Widerrufe zu bewegen. Er. hatte nichts wenigerim Sinne, als ihn zu zwingen, vor Chajon Abbitte zu thun und ihmfür dessen Weiterreise warme Empfehlungsbriefe an Gemeinden undRabbinate einzuhändigen. Chacham Zewi hatte aber Wind von diesemAnschlag gegen ihn und lehnte daher jede Zusammenkunft ab. Die
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