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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

übergeben werden. Dieses Verdammungsurtheil ließen sie in hebräischerund portugiesischer Sprache drucken und als Flugblatt verbreiten.Vieles, was diese beiden Eiferer an Chajon's Schriften auszusetzenhatten, ließ sich eben so gut gegen den Sohar und andere kabbalistischeSchriften geltend machen; aber kurzsichtig, wie sie waren, sahen siemir die bösen Folgen der kabbalistischen Afterlehre, aber nicht ihreerste Ursache.

Groß war die Aufregung der Amsterdamer Judenheit durchdiesen Schritt. Chacham Zewi und Mose Chages wurden auf denStraßen von Portugiesen.beleidigt und beschimpft - man behauptete:Ayllon habe ehrlose Leute dazu bestellt. In der That. hat diesergleich darauf iu einer Predigt verdeckte, beleidigende Anspielungengegen Chages vorgebracht, die ihm dieser an demselben Tage iu einerNachmittagspredigt heimzahlte. Die Erbitterung wurde dadurch nurnoch größer. Die Menge rief einander bei Chages' Anblick zu:Steinigen wir ihn, tödten wir ihn". Versöhnungsversuche scheitertentheils au Ayllon's Rechthaberei, der nicht fehlbar erscheinen mochte,theils an de Pinto's Härte, der einzig und allein das Ansehen derportugiesischen Gemeinde im Auge hatte. Flugblätter steigerten dieErbitterung. Auch nach außen machte die Streitigkeit innerhalb derAmsterdamer Judenheit viel Aufsehen und veranlaßte Parteinahmefür und wider. Ayllon und de Pinto verboten daher ihren Gemeinde-gliedern unter Androhung der Ausschließung aus der Gemeinschaft,Flugblätter zu lesen und überhaupt sich mündlich oder schriftlichdarüber zu äußern. Sie betrieben auch den Abschluß des Urtheils,das aber von Ayllon allein ausgearbeitet war. Es lautete im geradenGegensätze zu Chacham Zewi's und Chages' Entscheidung: In Chajon'sSchrift fände sich nichts Anstößiges oder Verfängliches gegen dasJudenthum; es seien darin nur dieselben Lehren enthalten, die auchin andern kabbalistischen Schriften vorkämen. Vergebens hatte eingreises Mitglied der portugiesischen Gemeinde den Vorstand beschworen,dieses falsche Urtheil nicht anzunehmen, weil Chajon's Schrift tat-sächlich von den sabbatianischen Ketzereien Cardoso's voll sei, welche in.fast der ganzen Judenheit und auch in derselben Gemeinde verdammtworden waren. Vergebens hatte sein Sohn, ein Mitglied der Prüfungs-kommission, seine Unterschrift unter dieses ungerechte Urtheil zu setzenverweigert. Er wurde dazu gezwungen und hatte nicht den Muthdes Widerstandes. So wurde denn officiell in den Synagogenbekannt gemacht (7. August 1713): daß Chajon von der angeschul-digten Ketzerei freizusprechen, und er ein unschuldig Verfolgter seiTages darauf wurde der Urheber dieses Zerwürfnisses im Triumph