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Geschichte der Juden.
vorher diese Schriften dem Rabbiner Salomo Ayllon zur Prüfung,und dieser, verblendet oder aus alter Liebe zu kabbalistischerSchwärmerei, erklärte sie für unverfänglich, gegen das Judenthnmnicht verstoßend und zum Drucke zulässig. Der portugiesische Vor-stand aber begnügte sich mit dem Gutachten ihres Rabbiners nicht,sondern ließ weitere Prüfung anstellen, und das Urtheil der unpartei-ischen Sachverständigen lautete: Cardoso's Schriften verdienen verbranntzu werden, was auch in Amsterdam geschehen ist. Kurz darauf trafChajon dort ein. Er hielt sich Anfangs bescheiden zu den Portugiesenund überreichte dem Vorstande ein Exemplar seiner in Berlin ge-druckten Schrift vom dreieinigen Glauben, um von ihm die Erlaubnißzum Absatz zu erwirken. Er scheint sich als palästinensischer Sendboteausgegeben zu haben. Dadurch entstanden sofort Reibungen, die mitpersönlicher Empfindlichkeit begannen und mit einem weittragendenZerwürfniß endeten.
Der Rabbiner der deutschen Gemeinde Zewi Aschkenasi,Chacham Zewi genannt, gerieth nämlich bei der Nachricht vonChajon's Anwesenheit in Amsterdam in große Aufregung. DieserMann, dessen Vater zu den eifrigsten Sabbatianern gehört hatte(o. S. 216), während es ihm selbst und seinem Sohne Jakob Emdenbeschieden war, dieselben mit allzueifriger Heftigkeit zu bekämpfen,hatte einen eignartigen Lebensgang. Zewi Aschkenasi (geb. 1656,st. 1718) war der Sohn jenes Jakob Aschenkasi, welcher fast durchein Wunder dem Schwerte des Kosakenaufstandes gegen die Judenentgangen war und seine junge Frau in Mähren wiedergefundenhatte (o. S. 74). Schön von Gestalt, mit einem Hellen Kopf begabtund in Salonichi in der sefardisch-talmudischen Lehrmethode geschult,verband er im Talmudfache Gründlichkeit und Scharfsinn. Inseinem achtzehnten Jahre wurde er als reifer Talmudkenner zuRathe gezogen. Verhätschelt, gesucht, mit der Tochter eines reichenMannes in Ofen jung verheirathet und dadurch unabhängig,entwickelte sich in ihm ein Unabhängigkeitsgefühl, ein stolzes Bewußt-sein und auch eine gewisse Eitelkeit auf sein talmudisches Wissen.In Folge der Belagerung von Ofen, die ihm seine junge Frau undein Töchterchen geraubt hatte, war er genöthigt, eine Rabbinerstellein Bosna-Seral anzunehmen. Aber er konnte sich daselbst nichtlange behaupten; sein stolzer Sinn vertrug sich nicht mit einer ab-hängigen Stellung. Ein gewisser Chajon lmit denn Beinamen derLange) soll ihn ans Bosna-Serai ausgewiesen haben. Chacham ZewiAschenkasi mußte daher nach Europa wandern; seine Eltern und Ver-wandten waren indcß in Gefangenschaft gerathen. Aber sein Stolz