Chacham Zewi.
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konnte sich nicht dazu herbeilassen, auch in der größten Verlegenheiteine Unterstützung anzuuehmen. So kam er nach Altona, verheirathetesich zum zweiten Male mit der Tochter des Rabbiners der Drei-Gemeinden (Hamburg, Altona, Wandsbeck), wurde Vorsteher einerKlaus, zog aber seinen Lebensunterhalt von Geschäften. Nach demTode seines Schwiegervaters wählte ihn eine Partei zu dessen Nach-folger, eine andere klammerte sich an einen andern. Es entstandenkleinliche Streitigkeiten, wie fast in jeder Gemeinde damals bei derWahl eines neuen Rabbiners. Tief gekränkt zog sich Chacham Zewiin seine' Klaus zurück und verdüsterte sich. Wegen seiner Gelehrsam-keit und seines, insofern er nicht von Hochmuth geblendet war, lauterenCharakters genoß er, wenn auch nicht Liebe, so doch hohe Achtungselbst bei den Portugiesen, die ihn, den deutschen Rabbinen (was sonstselten geschah), zum Schiedsrichter nahmen. In London waren näm-lich in einer Gemeindegruppe — denn auch hier bestanden mehrere— in Folge einer Predigt ihres Rabbiners David Nieto Streitig-keiten ausgebrocheu. Dieser Prediger hatte auseinandergesetzt: daßGott und das, was man die allgemeine Natur nennt (natura naturaus)ein und dasselbe sei. Daran hatten einige Gemeindeglieder — es istzweifelhaft, ob aus ehrlicher Ueberzeugung, oder nur in der Absicht, NietoKränkungen zuzufügen — Anstoß genommen, weil es nach der Spino-zistischen Lehre klang. Diese hatten den Vorstand gedrängt, einen Rabbinenvon Autorität um ein Gutachten anzugehen, ob diese Ansicht rechtgläubigsei. Der Vorstand dieser Gemeinde hatte dazu Chacham Zewi auserkoren,mit Uebergehung der ihm näher stehenden portugiesischen Rabbinen vonHamburg und Amsterdam. Chacham Zewi's Bescheid (1705) fiel zuGünsten Nieto's aus^). Sein Gutachten ist verständig gehalten, wennauch ohne Spur von philosophischer Kenntniß, welche bei der Be-antwortung einer .solchen Frage am Plätze gewesen wäre. Vermögeihrer Autorität wurde Zewi Aschkenasi nach Amsterdam zum erstenRabbinen der deutschen Gemeinde berufen (1710); er wollte sich aberlieber Chacham genannt wissen. Hier sah er mit einer großen Ver-achtung auf seine portugiesischen College», namentlich auf SalomoAyllon herab und mochte diesen nie als einen Ebenbürtigen ansehen.Und dieser tadelte dessen Stolz: „Chacham Zewi will fast noch mehrals Prophet Mose gelten", urtheilte er von ihm.
Sobald der Name Chajon an das Ohr des deutschen Chachamschlug, hielt er ihn für seinen ehemaligen Feind aus Bosna-Seral
st Diese Streitsache und Chacham Zeivis Gutachten find mitgetheilt ineiner Schrift von David Nieto: äs 1a. äivina proviäsneia, o ssa naturals^auniversal o natura naturants (London 1704, 4), auch in CH. Z. Rssxp. No. 18.