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Geschichte der Juden.
treten, wahrscheinlich einem Parteigänger des Mardochai von Eisen-stadt, der vor den geblendeten Angen Leichtgläubiger den Gottesnamen,vier hebräische Buchstaben aus Rauschgold ausgeschnitten und auf seineBrust geklebt, vermittelst Alkohol und Terpentinflammen erglänzenmachte. Wie die Wilden staunten damals mährische Juden LöbeleProsnitz' Spirituswunder an. In Berlin, wo Chajon mehrere Monate(1713) weilte, hatte er die beste Gelegenheit im Trüben zu fischen.Tie bereits auf mehr denn hundert Familien angewachsene BerlinerGemeinde, welche aus Schutzjuden und aus den auf Kündigung Ge-duldeten bestand*), war in Spaltung gerathen, wie es scheint durchzwei mit dem Hofe verkehrende, einander feindliche Familien. DieWittwe des Hofjuweliers Liebmann, welche bei König Friedrich I.eine wohlgelittene Person war (o. S. 279), wurde gerade deßwegenvom Kronprinzen (später Friedrich Wilhelm I.) verabscheut. Dieserhatte seinen eignen Leibjuden Marcus Magnus, welcher nicht bloßans Gefälligkeit gegen den Thronfolger Todfeind des Liebmann'schenHauses war. Die Feindschaft der zwei Häuser des Berliner Israelstheilte sich der ganzen Gemeinde mit, spaltete sie in zwei Parteienund berührte auch die Synagoge. Marcus Magnus wollte das Lieb-Bethaus zum Schließen bringen und warb abwechselnd durch süßeWorte und Drohung Gemeindemitglieder, sein Gesuch zu unterstützen,eine große gemeinschaftliche Synagoge zu bauen und die zwei be-stehenden Bethäuser zu verbieten. Die Minister und Behörden warenfür den Neubau, der König selbst aber aus Rücksicht für die WittweLiebmann dagegen, wenigstens gegen das Schließen der Liebmann'schenSynagoge 2). Persönliche Erbitterung und Gemeinheiten versteckten sichhinter den Synagogenbau. Gerade als die Parteileidenschaft amheftigsten entbrannt war, kam Chajon nach Berlin und wußte aus derSpaltung Nutzen zu ziehen. Er hielt sich an die zwar schwächereaber reiche und um so opferwilligere Liebmann'sche Partei. Der da-malige Rabbiner von Berlin Aaron Benjamin Wolf, Schwieger-sohn der Hofjüdin Liebmann, ein Schwachkopf, behandelte ihn mit«erehrungsvoller Auszeichnung. Naphtali Kohen, der damals nachBerlin gekommen war, hätte zwar Chajon entlarven können, scheuteaber, wie er sagte, die Zwietracht in Berlin noch mehr zu entzünden.So konnte der Schelm unangefochten seine ketzerische Schrift, womiter sein Unwesen fünf Jahre vorher in Smyrna begonnen hatte, inBerlin drucken. „Der Glaube des All" (iKsbömonuta cke 6oIa) solautet der verfängliche Titel. Der Haupttext, die Ausgeburt eines
*) König, Annalen S. 127.
") Das. S. 234 fg. fVgl. Landshuth, S. 6 ff.)