Chajon.
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von ihm auf den Schild gehoben. Wer sollte sich nicht um den an-geblichen Prediger oder Sendboten Palästina's (wofür sich Chajonausgab) bewerben, wenn das Oppenheimersche Haus und Naphtali -Kohen ihm huldigten? Kein Wunder, wenn die talmudbeflissene Jugend,die wißbegierigen Söhne des Lehrhauses sich an Chajon drängten.Unter diesen befand sich auch der wegen seines Scharfsinnes später soberühmt und berüchtigt gewordene Jonathan Eibeschütz, welcherzur selben Zeit in Prag weilte. Chajon hielt in Prag Predigten,bezauberte die Zuhörer mit seiner sophistisch witzelnden Manier, welchedas Ungereimteste zusammenreimte. Hin und wieder ließ er die Irr-lehren der Salonicher Sabbatianer durchschimmern: daß die Sündenur durch das Uebermaß der Sündhaftigkeit, durch die Befriedigungaller, auch der häßlichsten Begierden, durch die Uebertretung der Thoraüberwunden werden könne. Er band den Pragern auf, oder ließ esdurch seinen Begleiter aus Venedig verbreiten, daß er mit demPropheten Elia verkehrte, daß er die Gottheit zwingen könne, sichihm zu offenbaren, daß er Todte zu erwecken, neue Welten zu schaffenvermöge — das Alles fand Glauben. Er schrieb Amulete, um dieman sich riß, führte aber dabei heimlich ein Lotterleben. Das Geld,das ihm der heilige Schwindel einbrachte, verbrauchte er im Karten-spiel. Endlich wagte er es, seine ketzerische Schrift, sein sabbatianischesGlaubensbekenntniß von der Dreieinigkeit Naphtali Kohen zur Begut-achtung vorzulegen und zeigte ihm gefälschte Leumundszeugnisse vonitalienischen Rabbinen vor. Vor lauter Bewunderung für ChajousPerson ertheilte ihm, ohne auch nur die Schrift einer genauen Prüfungunterzogen zu haben, Naphtali Kohen nicht nur eine einfache Billigung,sondern eine gluthvolle Empfehlung derselben, — eine leichtsinnigeArt, welche den damaligen Rabbinen durchschnittlich eigen war, sichaber diesesmal bitter rächen sollte. Nach und nach erfuhr NaphtaliKohen zu seinem Schrecken, daß der von ihm so sehr bewunderte und aus-gezeichnete Jerusalemer ein Erzschelm war, dessen Trachten nur auf Be-trügereien ausging. Er wollte ihm daher das ihm ertheilte Empfehlungs-schreiben entziehen, aber Chajon ließ sich nicht leicht etwas entreißen. Er saßbereits in Prag so fest, daß er NaphtaliKohen's Feindschaft verachten konnte.
Mit gefälschten und erschlichenen Empfehlungen versehen, berückteChajon noch andere Gemeinden, Wien, Nikolsburg, Prosnitz, Breslau,Glogau und Berlin; es gelang ihm, sich den dummgläubigen deutschenJuden gegenüber als Prophet zu geberden und sich von ihnen er-nähren zu lassen. Heimlich war er aber mit einem sabbatianischeuSchwärmer oder Betrüger Löbele Prosnitz Z in Verbindung ge-
S. Note 4, Ende.