Druckschrift 
10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

314

Geschichte der Juden.

mehr berühmt wegen seiner- reichen Büchersammlung, als wegenseiner Thaten und seiner literarischen Leistungen, war ein eingefleischterKabbalist und von ihrem Dusel benebelt. Er hatte zwar keineZeit, sich mit dem Wanderprediger Chajon zu beschäftigen, nochüberhaupt sich um Gemeinde-Angelegenheiten und Interessen desJudenthums viel zu kümmern. Er brauchte seine Zeit für großartigeGeldgeschäfte mit den Summen, welche ihm sein reicher Wiener Oheim,Samuel Oppenheim, nebst einer bedeutenden Bibliothek hinterlassenhatte. Wenn- etwas Wichtiges in Prag vorging, war DavidOppenheim in der Regel abwesend, um sein Vermögen oder seinenBücherschatz zu vermehren. Er spendete von seinem Reichthum mitoffenen Händen, den zehnten Theil seines Vermögens über50,000 Thlr. vertheilte er an Hilfsbedürftige, aber das Rabbinatvernachlässigte er. David Oppenheim kam daher wenig mit Chajonzusammen, desto mehr sein Sohn Joseph, der von dessen kabbalistischerAufschneiderei bezaubert war und ihn in's Haus nahm*). Ebenso vielWesen machte aus ihm der in Prag damals lebende kabbalistischeRabbiner Naphtali Kohen, dem seine Wunderthuerei theuer zustehen gekommen war. Dieser aus Polen eingewanderte, zuerst inPosen und dann in Frankfurt a. M. .fungirende Rabbiner (geb. um1660 st. 1719) war ganz besonders in die Kabbala vernarrt undtrieb sie auch Praktisch, d. h. die Beschwörungskabbala. Er glaubteeinen Talisman gegen Feuersgefahr gefunden zu haben, womit er dender Menschenkunst spottenden Feuergeist bannen könnte. Aber geradein seinem Hause in Frankfurt brach ein Brand aus, welcher die ganzeJudengasse in Asche legte, man sagte, bei einer Probe, die er mitseinen Beschwörungsversuchen angestellt hatte. Er wurde als Brand-stifter eingezogen und längere Zeit in Haft gehalten. Von diesemVerbrechen freigesprochen, mußte Naphtali Kohen die Mainstadt ver-lassen, und wendete sich nach Prag (1711) unter den Schutz DavidOppenheims. Auch ihm imponirte Chajon außerordentlich und wurde

die großen Kriege folgten und mit ihnen begann,,die Aufklärung" der deutschenJuden, welche ihnen eine Art OöAoub gegen die rabbinische Literatur einflößte.So blieb die Oppenheimersche Bibliothek bis 1826 in Kisten verpackt. DavidFriedländer schlag vor, sie aus Aktien L zu 56 Thaler anzukaufen; auch dasunterblieb. So kaufte sie 1829 die Oxforder Bibliothek, die Bodleyana, derenZierde sie jetzt bildet, um den Spottpreis von 9600 Thaler. (lieber DavidOppenheim und seine Familie vgl. Kaufmann a. a. O. S. .96 ff. DavidOppenheim hatte nur einen einzigen Sohn, den nachher im Text erwähntenJoseph. Dieser wurde nach dem Tode des Vaters Erbe der Bibliothek (Dl. Wienerin BerlinersMagazin" l, 27) und vererbte sie an seinen Neffen Isaak b.Seligmann ha-Kohen in Hamburg (Kaufmann a. a. O. S. 98 f.)j") (Vgl. Kaufmann a. a. O. S. 97, rr. I.j