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Geschichte der Juden.
Rabbinen in dieser Zeit, von der Kabbala eingenommen, aber einheftiger Gegner der Sabbatianer. Aus diesem Grunde und vielleichtauch aus Eigennutz, um nicht einen begünstigten Nebenbuhler inPalästina zu haben, der den Jerusalemern die Spenden der auswärtigenGemeinden leicht hätte wegschnappen können, war Jizchaki gleich bereit,den ihn von Smyrna aus zugekommenen Wink zu benutzen. Ehe sichnoch Chajon ansiedeln konnte, schleuderte das Rabbinat von Jerusalemden Bannstrahl gegen ihn und verurtheilte seine Schrift, die es dochnicht durch den Augenschein kannte, ohne den Verfasser verhört zuhaben, zum Feuer (Juni 1708). Dieser grobe Formfehler hat sich spätergerächt. Für den Augenblick unterlag Chajon allerdings. Als einvon dem Hauptcollegium in Palästina Gebannter konnte er sich nirgendsfestsetzen. Der Enthusiasmus seiner Smyrnaer Gönner verrauchteeben so schnell, wie er aufgelodert war. Menschengunst ist so wandelbar.
So war Chajön nach wenigen glücklichen Tagen abermals aufBettelfahrten angewiesen. In Italien, wohin er von Egypten ausgekommen war und einige Jahre weilte (1709 — 1711), fandenseine Schwindeleien wenig Anklang. Manche erinnerten sich nochseiner. Streiche aus seinem früheren Aufenthalte in diesem Lande.Ein Kabbalist, Joseph Ergas in Livorno, der, obwohl ein Schwagerdes Erzsabbatianers Mose Piuheiro^), doch wenigstens in diesemPunkte dessen Gesinnung nicht theilte, erkannte die Schrift, die ihmChajon vorgelegt hatte, sofort als eine sabbatianische, die verdammens-werth sei. Chajon war darüber betroffen; er hatte in Ergas einen An-hänger des Lügenmessias vermuthet, verließ eilig Livorno und betteltein Ancona, Rom und anderen italienischen Städten. Nur in Venedigfand er bei Rabbinen und Laien einige Beachtung. Hier ließ er einkleines Schriftchen, einen Auszug aus seiner größern Schrift drucken,worin er ganz offen die Dreieinigkeit als Glaubensartikel des Juden-thums aufstellte, allerdings nicht die christliche Dreieinigkeit, sondern dreiPersonen (LarsuLw) in der Gottheit: den heiligen Uralten oderdie Seele aller Seelen, den heiligen König, oder die VerkörperungGottes und eine dazu gehörige weibliche Person (die Schechina).Diesen, das Judenthum und seinen Gottesbegriff fälschenden Qualmwiederholte Chajon in schlechten Versen, welche er als Erbauungs-Gebete für besonders Fromme empfahl. Keck und mit der Gefahrspielend, verwebte er in die Anfangsverse Worte eines zotigen ita-lienischen Liedes: die schöne Margarethe. Und dieses lästerlicheSchriftchen (Geheimniß der Dreieinigkeit Lara äi-ckielmäa) billigte und
*) S. oben S. 198.