Chajon eine Sklavin aus der Familie, bei der er Hauslehrer war,entführt haben und zwar am Sabbat, wozu er zwei Pferde in.Bereitschaft hatte. Er soll aber eingeholt und durchgebläut wordenfein. Mit den Sabbatianern in Salonichi hatte er, wie er selbsteingestand, nähere Bekanntschaft, er hatte sich Mühe gegeben, ihrerSchriften habhaft zu werden. Auch mit dem Haupte derselben, mitSamuel Primo, hatte er öfter Unterredung über kabbalistischeSchwindeleien. Schon damals wollte er Jenem gegenüber eine neueDreieinigkeit aufgestellt haben.
Jndeß scheint Chajon seinen Vortheil in Europa nicht gefundenzu haben; denn er begab sich wieder nach Palästina, wohnte inNablus (Sichem), machte Abstecher nacki Egypten (zwischen 1702—1707),wurde aber dort als Schwindler oder als Zauberer gemieden. Daihm bisher kein Unternehmen gelungen war, verlegte er sich aufkabbalistische Gaukeleien, um'die Welt zu betrügen. Er arbeitete eineSchrift aus, worin er die Behauptung durchführtc: daß das Judcnthum(allerdings das Judenthum mit kabbalistischem Vorder- und Hinter-gründe) einen dreieinigen Gott zum Bekenntniß habe. Mit dieserSchrift im leereu Sacke kam er nach Smyrna (Frühjahr 1708) inder Absicht, entweder bei den Sabbatianern oder bei deren Gegnernsein Glück zu versuchen. Es gelang ihm in der That, einige reicheSmyrnaer zu bezaubern. Seine Gönner verpflichteten sich unter-einander und gegen Chajon, ihn kräftig zu unterstützen, damit er inden Stand gesetzt sei, jene grundketzerische Schrift zu veröffentlichenund in einer palästinensischen Stadt eine Art Lehrhaus oder Klauszu gründen und dazu auch einige Genossen hinzuzuziehen. Nur einerder Smyrnaer Rabbiner Benjamin Levi, erkannte Chajon'sSchwindeleien und die Schädlichkeit seiner Schrift, wollte sie auch, nochehe sie das Tageslicht erblickte, durch eine Gegenschrift brandmarken,unterließ es aber aus Trägheit und trat überhaupt dem Heuchlernicht muthig und offen entgegen, sondern lud auf sich den Schein,als suchte er aus hämischem Neide den Kabbalisten von Palästina zuverkleinern. Daher kam es, daß der Erzschelm wie ein heiliger Prophetin Smyrna behandelt und von fast der ganzen Gemeinde zu Schiffgeleitet wurde, das ihn nach Palästina zurückführen sollte. SeineSchwindeleien waren für den Augenblick mit Erfolg gekrönt. AberBenjamin Levi und seine Freunde hatten mit demselben Schiff einemEilboten an das Rabbinat von Jerusalem abgehen lassen, um auf denMann und dessen gefährliche Ketzerei aufmerksam zu machen. DieSeele, des Jerusalemer Rabbinatscollegiums war damals AbrahamJizchaki, ein Talmudist Mittlern Schlages, wie fast sämmtliche