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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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310 Geschichte der Juden.

zu bieten und dadurch ein tiefgehendes Zerwürfniß in der Judenheit-erzeugen zu helfen.

Dieser Erzbetrüger, welcher an Schlauheit, Heuchelei, Frechheitund Gewissenlosigkeit nur wenig seinesgleichen in dem an Betrügernreichen achtzehnten Jahrhundert hatte, war Nehemsa Chija Chajon(geb. um 1650, st. nach 1726*). Er hatte eine besondere Freude anMystifikationen und Schwindeleien und führte von seiner Jugend bisin sein Greisenalter ein abenteuerliches, lustiges, verstellungsreichesLeben. Der Lebensgang dieses kabbalistischen Abenteurers, der dieVerwilderung der Zeit nach vielen Seiten hin charakterisirt, darf nichtübergangen werden. Seine Eltern waren von sefardischer Abkunft undwohnten in der türkisch-bosnischen Stadt Bosna-Serai (Serajewo),wo Chajon wahrscheinlich geboren wurde; er fand es aber später fürseine Zwecke dienlicher, seine Geburtsstadt zu verleugnen und sich alsSafetaner auszugeben oder zu behaupten, daß er auf der Reiseseiner Eltern nach dem heiligen Lande in Alexandrien das Licht derWelt erblickt habe. Chajon erhielt seine talmudische Ausbildung inHebron, wo der sabbatianische Taumelgeist viele Anhänger hatte.Sein Verstand hatte eine bedeutende logische Schärfe, um Widersprücheund Ungereimtheit mit Leichtigkeit aufzudecken; aber sein Schwindel-kopf, sein kaltes Herz und sein auf Befriedigung niedriger Begierdengerichteter Sinn bewogen ihn, einen verderblichen Gebrauch davon zumachen. Vom Talmud und der rabbinischen Literatur verstand ernür so viel, um sich darin heimisch zeigen zu können, hatte aber keineninnern Beruf dazu, wie er denn überhaupt keine Religiosität besaß. Ermachte Alles nur aus Heuchelei mit; unbewacht hingegen setzte er sich überAlles, Religion und Sittlichkeit, hinweg. Als achtzehnjähriger Jünglingkehrte er nach Bosna-Serai zurück, heirathete, wurde Rabbiner inUskupia (fünf Tagereisen von Salonichi) auf besondere Empfehlungdes Rabbiners Aaron Perachia von Salonichi, muß sich aber soanstößig betragen haben, daß er nur kurze Zeit das Rabbinatbehielt. Von dieser Zeit an begann Chajon's Abenteurerleben; erwar bald wieder in Bosna-Serai, bald in Belgrad, bald in Adria-nopel, bald in Livorno und Salonichi, als Hauslehrer, Prediger,Kaufmann. Ueberall erzählte man sich von seinen schlechten Streichen.Dabei konnte er ernste, Ehrfurcht einflößende Mienen annehmen undfesselte durch seine einnehmende Gestalt, seine kabbalistischen Floskelnund sein mysteriöses Wesen. Er spielte meistens den Heiligen, sangaber dabei Liebeslieder und lief Frauenzimmern nach. Einmal soll

Z S. Note 6.