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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Juda Chaßid und Chajim Malach.

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batianische Sekte, die durch strenge Buße das Herannahen desHimmelreiches zu befördern vermeinte. An ihrer Spitze standen zweiMänner: Juda Chaßid (der Fromme) aus Dubno, eine beschränkteEinfalt, und Chajjm Malach Z, ein verschmitzter Talmudist. Beidewühlten durch aufregende Predigten und fanden eine zujauchzendeZuhörerschaft, die sich ihnen zur Buße und zu kabbalistischen Extra-vaganzen anschloß. Diese Verbindung nannte sich Chaßidäer(Obassiäim). In Polen war aber die Unwissenheit so groß, daß dieRabbinen selbst die Tragweite und Schädlichkeit dieser sabbatianischenSchwärmerei nicht erkannten. Saul, Rabbiner von Krakau, mußteerst Erkundigungen bei Zewi Aschkenasi, Klausrabbiuer in Altona(später als Rabbiner von Amsterdam Chacham Zewi genannt) überdas Wesen der Sabbatiäner einziehen. Als dieser, welcher einengroßen Theil von Europa durchwandert hatte und ihr Treiben gutkannte, dem Rabbiner von Krakau die Augen öffnete und ganzbesonders vor Chajim Malach warnte, stellte das Rabbingt gegen dieChaßidäer Verfolgungen an. In Folge dessen wanderten etwa13001500 Personen dieser Sekte unter Juda Chaßid aus Polenaus (Auf. 1700), mit dem Entschlüsse nach dem heiligen Lande zureisen, um dort die Erlösung zu erwarten. Wie ehemals die christlichenGeißlerbrüder, so zeichneten sich diese sogenannten Frommen durchvieltägiges Fasten und durch Kasteiungen aller Art aus. Ihre An-führer trugen am Sonnabend weiße Kleider von Atlas oder Zeug,womit sie die Gnadeuzeit andeuten wollten. Ueberall wo sie durchDeutschland zogen, predigten sie und ermahnten zu strenger Buße.Juda Chaßid riß durch seine gewaltige Stimme, seine Geberden undheiße Thränen die Zuhörer zur Wehmuth hin. Namentlich wirkteer auf die weichen Frauengemüther, für die er ein ganz ungewöhn-licher Vorgang mit einer Thorarolle im Arme in ihrer Abtheilung imSynagogenraume zu predigen Pflegte. Während sich der größte Theildieser Sekte in Mähren und Ungarn sammelte, durchstreifte Juda Chaßidmit etwa 150 Personen Deutschland von Altona bis Frankfurt a. M.und Wien, überall predigend, jammernd und ermahnend. Die Sektewurde überall und namentlich in den größeren Gemeinden reichlichunterstützt. Wegen des Zulaufes, den diese Sektirer von Männernund Frauen erhielten, wagten die Rabbiner nicht, deren Treibenentgegenzutreten. Samuel Oppenheim, der reiche Hofjude in Wien(o. S. 278), unterstützte die Chaßidäer reichlich, verschaffte ihnenPässe nach dem Morgenlande und stellte ihnen zwei Schiffe, die sie

r) S. Note 4. VI.

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