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Geschichte der Juden.
Ihr Messias Jakob Zewi Que'rido machte mit vielen seiner An-hänger eine Wallfahrt nach Mekka, um am Grabe des ProphetenMohammed zu beten. Auf der Rückkehr starb er in Alexandrien.Die Führerschaft über die jüdisch-türkische Sekte in Salonichi übernahmspäter sein Sohn Berechja oder Barochja lum 1695 — 1740).Auch er galt ihnen als Fortsetzer Sabbata'i Zewi's, als Verkörperungder Urseele des Messias, als Fleisch gewordene Gottheit*). SeineAnhänger lebten unter dem Namen Dolmäh (richtig Donmäh)d. h. vom Judenthum Abtrünnige, die sich von den Juden und Türkengetrennt hatten, heiratheten nur untereinander, besuchten zwar hin undwieder die Moschee, kamen aber öfter zu ihrem eigenen mystischen Gottes-dienst heimlich zusammen, um ihren Erlöser und Gottmenschen anzu-beten. Noch heute giebt es Nachkommen der Sekte Sabbatai-Querido-Barochja's, welche ein Gemisch von kabbalistischen und türkischen Ge-bräuchen haben. Vom Judenthum behielten sie nur die Beschneidnngam achten Tage und das hohe Lied bei, dessen Liebesdialoge undMonologe ihnen freien Spielraum für mystische und unzüchtige Deutungenließen. Vor Kurzem ist den Donmäh, welche gegenwärtig 4000 Mit-glieder zählen sollen, vom Sultan die Freiheit ihres eigenen Bekenntnissesgestattet worden.
Trotz dieses dem Judenthum und der Sittlichkeit in gleicherWeise hohnsprechenden Unwesens der Salonicher Sabbatianer odergerade deßwegen fanden sie stets neue Anhänger, die mit zäherBeharrlichkeit an dem Wahne festhielten, sich und Andere bethörtenund Betrügern Gelegenheit gaben, diese schwärmerische Stimmungauszubeuten. Vom Orient und Polen aus kreuzten miteinandergeheime Sabbatianer, von hier als wandernde Prediger und vondort als angebliche Sendboten des heiligen Landes und regten immerneue Verirrungen an. Der Sendbote Abraham Cuenqui aus
Hebron, der in Polen und Deutschland die Mildthätigkeit für dieArmen dieser Stadt in Anspruch nahm, lieferte auf Ansuchen einesMystikers (um 1689), eine fast vergötternde Lebensbeschreibung Sab-batai's, den er in seiner Jügend gesehen und bewundert hatte. DieseBiographie, eine Art sabbatianisches Evangelium, giebt die beste An-leitung, wie sich auf religiösem Gebiete Geschichte in Fabel unddiese wieder in Geschichte umbildet. In Polen entstand, wahrscheinlichvon dem wahnwitzigen Mardochal ans Eisenstadt angeregt, eine sab-
*) S. Note 4, III. Frankel-Graetz, Monatsschrift, Jahrgang 1877.S. 130 fg. Herr Or. Behrnauer in Dresden, ein gründlicher Kenner desTürkischen, machte mich aufmerksam, daß das Wort Dolmäh bei Niebuhr falschsei; es muß Donmäh lauten: ^.postata im Türkischen.