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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Jakob Querido.

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Knabe, welcher den Namen Jakob Zewi angenommen hat, wurdedaher ein Gegenstand andächtiger Verehrung für die Sabbatianer.Sie glaubten, daß in ihm die Seelen zweier Messiasse aus dem HauseJoseph und David vereinigt wiedergeboren seien; er sei daher als derwahre Erlöser, als der echte Fortsetzer Sabbatai's zu betrachten.Diese neue Phantasterei fand in Salonichi um so mehr Anhänger, alsder eigene Vater Querido's, Joseph Philosoph, ein Talmudkundigerwar, und ein anderer gelehrter Talmudist Salomo Florentin,der bereits als Verfasser eines rabbinischen Buches eine gewisseAutorität erlangt hatte, sich zu den Gläubigen gesellten und ihn aufihr Schild erhoben. Die Messiaswittwe und ihr Bruder Queridosollen geradezu geschlechtliche Unzucht als Beförderungsmittel für dasErlösungswerk empfohlen und getrieben haben. Die Sündhaftigkeitder Welt könne nur durch ein Uebermaß von Sünde, durch denäußersten Grad unkeuschen Wandels überwunden werden.' In diesemSalonicher Kreise soll daher schamlose Unzucht und sogar Blutschandeganz offen getrieben worden sein so erzählen die Gegner. Sicherist nur das Eine, daß die Ehe in diesem Kreise nicht als heilig geachtetwar. Nach der lurjauisch-kabbalistischen Verirrung sollten Ehefrauen,an denen ihre Gatten keinen Gefallen fanden, als das Hindernißeurer harmonisch-mystischen Ehe ohne weiteres entlassen und Anderen,die sich zu ihnen hingezogen fühlten, überlassen werden. Diese Vor-schrift wurde in diesem mystischen Kreise nur zu eifrig befolgt; eswar eine eigene Art Wahlverwandtschaft. Mehrere Hundert Salonichergehörten dieser sabbatianischen Sekte an, meistens junge Leute. Unterihnen bewegte sich ein junger Mann Salomo Ayllon, der späterRabbiner von London und Amsterdam wurde; er machte ebenfalls diegeschlechtlichen Verirrungen mit. Er führte eine Frau, als eine ihmvom Himmel bestimmte, heim, die ein Anderer ohne förmliche Scheidungverlassen hatte, und diese entführte ihm wieder ein Dritter^). DieSalonicher Sabbatianer standen mit dem Rest derselben in Adria-nopel und Smyrna in Verbindung. Die Rabbinen durften diesenUnfug nicht gleichgültig mit ansehen und denunzirten sie bei dertürkischen Behörde. Diese stellte Untersuchungen an und verhängtestrenge Strafen über sie. Die Sabbatianer hatten aber von ihremUrmeister ein Mittel gelernt, den Zorn der türkischen Machthaber zubeschwichtigen. Sie nahmen sämmtlich man sagt bis auf vier-hundert den weißen Turban (um 1687). Sie machten aber mehrErnst mit ihrem neuangenommenen, mohammedanischen Bekenntnisse.

>) S. Note k, Nr. il.

Graetz. Geschichte der Juden. X. 29