302
Geschichte der Juden.
.des Abraham Jachini (o. S. 191), Namens Eleasar aus Damaskus,ferner Isaak Aschkenasi, Mardochai Aschkenasi (aus Eisenstadt?)und mehrere andere. Cardoso verkündete ihnen Träume und Gesichte,gab sich als Fortsetzer Sabbatai Zewi's, als den EphraimitischenMessias aus, trieb Schwindeleien unglaublicher Art, besuchte Gräber,um sich durch die abgeschiedenen Geister inspirireu und von ihnenseine Theorie verkünden zu lassen. Diese bestand, wie schon gesagt,in der gotteslästerlichen Annahme, daß es zwei Götter gebe, deneinen, die erste Ursache, unbegreiflich, ohne Willen und Einfluß aufalles Weltall, und den andern, den Gott Israels, von jenememanirt, den eigentlichen Weltenschöpfer und Gesetzgeber des israelitischenVolkes, der allein angebetet werden müsse. Indessen steuerten dieRabbiner Smyrna's seinem Unwesen, bedrohten ihn mit dem Todeund zwangen ihn, die Geburtsstadt Sabbatai Zewi's zu verlassen.Er begab sich von da nach Constantinopel und seine Smyrnaer An-hänger mit ihm, wurde dort von dem phantastischen Sohne einesreichen Mannes hinter dem Rücken des Vaters unterhalten, triebseinen Unfug weiter, veranstaltete sogar auf dem Grabe des moham-medanischen Heiligen Ajub Annazar eine kabbalistische Cercmonievon Gebeten und Todtenbeschwörungen (Dilckuii) und auch auf demGrabe des Sultan Ibrahim, damit er seinem Sohne, dem regierendenGroßherrn Mohammed IV. im Traume erscheine und ihm gebiete,Cardoso und seinen Anhang zu beschützen *). Indessen konnte er sichin Constantinopel nicht halten, als sein Spender Samuel, der sichseinetwegen in Schulden gestürzt hatte, den Prophezeiungen zum Trotzgestorben war. So trieb sich Cardoso in Adrianopel, in Rodosto, inÄgypten, auf den griechischen Inseln und in Caudia umher, bald alsMessias, bald als Arzt, schrieb zahlreiche Abhandlungen über dieNähe des Messiasreiches und seine theosophisch-dualistische Theoriezusammen, machte Schulden, zog Frauen in seinen kabbalistischenConventikel und soll bis ins Alter unkeusch gelebt haben. Zuletztwollte er sich in der Kabbalisten-Stadt Safet in Palästina nieder-lassen; aber die Führer der jüdischen Gemeinde verboten ihm denEintritt. Darauf begab er sich zum zweiten Male, bereits hochbetagt,
*) S. darüber Note 4, I. Der Kuriosität wegen setze ich einen Passusaus der genannten Polemischen Schrift ir-ip rw'22 hierher: 228 in8
18'xi'i . . . 2V2W2N 2 8X-8 r:>8 22 p i>>' Ppn 0 : 2 x 2 (wmip) 228
Pi' 2i'> 228 22,222 222: . . . 228t> im-222 2122' ;x'2t> L>ro2 '"212^ 22°: 222 2:82182^:2 22 X 2 2 x Ppo W'V'L' 2^22 2:22 8 X 2 - '2 (:>-! ,:e>: 22,2 > 2 ' :i>282) 221,22'
8i"82 '1IN2 22 2 2 ; 822 w' U22 82' 1x22 ll'8228. Das muß vor 1687, noch vorEntthronung des Sultan Mohammed IV., Ibrahims Nachfolger, geschehen sein.