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Geschichte der Juden.
Diesen Charakter der formellen, logischen und sittlichen Ver-wilderung tragen alle Vorgänge dieser Zeit, welche zur öffentlichen Kennt-niß gekommen sind. UriFebes Levi, Druckereibesitzerin Amsterdam,,ein Enkel des Mannes, welcher die erste marranische Colonie in Amster-dam so kräftig leitete (IX.g S. 480), ließ eine einfache jüdisch-deutscheUebersetzung der Bibel anfertigen und drucken. Verleger und Ueber-setzer (Jekutiel Blitz aus Witmund) schlugen ihr Verdienst sehrhoch an, daß sie von der deutschen und polnischen Judenheit dieSchmach, in den eigenen heiligen Urkunden unwissend zu sein, ab-wälzen wollten. Um ihre Arbeit gegen Nachdruck zu schützen, ließsich Uri Febes von der jüdisch-polnischen Behörde, der Vier-LänderSynode, das Privilegium ertheilen, daß diese oder eine andere ähnlicheUebersetzung innerhalb zehn Jahren nicht gedruckt werden dürfte. DieSynode hatte es ihm nicht umsonst ertheilt. In Folge dieses Schutzeserhielt der Unternehmer eine Bestätigung desselben vom Rabbinateund Vorstande der portugiesischen und deutschen Gemeinde von Amster-dam und auch von anderen deutschen Rabbinen; darunter auch vonMe'i'r Stern, Rabbiner von Frankfurt a. M, dem Lehrer Knorr'svon Roseuroth in der Kabbala (o. S. 266). Stern hatte für Honorar-zahlung die Korrektur der Uebersetzung übernommen. Sein ganzesVermögen steckte Levi Febes in diese Unternehmung und mußte, umnicht stecken zu bleiben, zwei christliche Theilnehmer in Amsterdam hinzuziehen: den Schöppen Wilhelm Blau und den RechtsgelehrtenLaurenz Voll. Beide haben vermöge ihrer Verbindungen vomKönige von Polen Johann III. Sobieski ein Privilegium erwirkt,daß diese jüdisch-deutsche Uebersetzung innerhalb zwanzig Jahren vorConcurrenz, in. Polen wenigstens, gesichert sein sollte. Aber ehe nochder Druck vollendet war, hatte der Brodneid und die Gemeinheit demUnternehmer den Lohn seiner Arbeit verkümmert. Ein Setzer Joßel(Joseph) Witzenhausen verfertigte ebenfalls eine solche Uebersetzungund gewann einen Theilnehmer für den Druck derselben: den reichenportugiesischen Druckereibesitzer Joseph Athias (o. S. 244), der vonden niederländischen Generalstaaten für seine schönen und korrektenhebräischen Druckwerke eine goldene Kette erhalten hatte. Athiaskonnte die Sache mit größeren Mitteln betreiben. Er ließ sich vorAllem von den Staaten von Holland und Seeland ein Privilegiumdazu ertheilen. Vergebens wurde Witzenhausen von einigen deutschenRabbinen vorgeladen und vor dem Eingriff in die wohlerworbenenRechte eines Andern gewarnt, vergebens auch mit dem darüber aus-gesprochenen Baun bedroht. Auf Athias' Reichthum und Schutzgestützt, fügte er zum Unrecht frechen Hohn hinzu. Das portugiesische