Mose Chajim Luzzatto.
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erquickt hatten. Um auch Andern, namentlich den des Hebräischenunkundigen Marranen die Psalmen zugänglich zu machen, übersetzteer sie treu nach dem Original in wohlklingende und anziehende Verse,ganz anders als Abenatar Melo (o. S. 4), der sie gewissermaßennur als Text für seine elegischen Ergüsse gebraucht hatte. DiesenPsalter, „einen Spiegel des Lebens", in verschiedenen spanischen Vers-maßen umgearbeitet, brachte Daniel Israel-Lopez Laguna nach London,wofür ihm mehrere Dichterlinge, auch drei jüdische Dichterinnen:Sara de Fonseca Pinto y Pimentel, Manuela Nunez deAlmeyda und Bienvenida Cohen Belmonte im lateinischen,englischen, portugiesischen und spanischen Versen entgegenjauchzten ^). —Mose Chajjim Luzzatto, in die trübseligen Verirrungen dieser Zeithineingerissen, hat zwei hebräische Dramen voller Schönheit undJugendfrische gedichtet. Außer diesen poetischen Blüthen zeigt
diese lange Zeitepoche nur eine farblose Oede. Daniel de Barrios,den Kapitän, Geschichtsschreiber und Bettler, kann man nicht zu denDichtern zählen, obwohl er eine erstaunliche Menge spanischer, und aucheinige hebräische Verse, sogar mehrere spanische Dramen gereimt undso zu sagen jeden jüdischen und christlichen Großen, der eine volleBörse besaß, ohne Schamgefühl angesungen und angebettelt hat ^).
Nicht bloß der wissenschaftliche und künstlerische Sinn, sondernauch das sittliche Gefühl war in dieser allgemeinen Verwilderung ab-handen gekommen oder mindestens abgestumpft. Die Grundtugendendes jüdischen Stammes blieben allerdings auch in dieser Zeit in ihrerganzen Kraft bestehen: idyllische Familienliebe, brüderliche Theilnahmeunter einander und keuscher Sinn. Grobe Laster und Verbrechenkamen auch damals in Jakobs Zelten wenig vor. GrundverdorbeneAuswürflinge waren so rücksichtsvoll, sie zu verlassen und mit ihremunsittlichen Wandel lieber die Kirche oder die Moschee zu beflecke».Aber das Rechts- und Ehrgefühl der Juden war im Durchschnittgeschwächt, jenes zarte Gewissen, welches mit einer gewissen jung-fräulichen Schamhaftigkeit auch das meidet, was die Vorschriften derReligion und die Paragraphen des bürgerlichen Gesetzbuches bei Seitelassen. Verdienen, Geld erwerben war eine so gebieterische Noth-wendigkeit, daß die Art und Weise des Erwerbes gleichgültig unddem Tadel nicht ausgesetzt war. Uebervortheilen und überlisten nichtbloß die feindlich gegenüberstehende Bevölkerung, sondern auch dieeigenen Religionsgeuossen galt meistens nicht als Schande, vielmehrals eine Art Heldenthat. Daraus entsprang eine Anbetung des
9 Vergl. über ihn äs los Rios, üstaäios x. 626 fg. fund Kayserlinga. a. O. S. öö.ss
^ Heber de Barrios ausführlich Kayserling, Sephardim S. 256 fg.