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Geschichte der Juden.
Leon Brieli in Mantua (geb. um 1643 st. 1722*), ein Mann vonsehr gesunden Ansichten und von gediegenen, auch philosophischen Kennt-nissen, der sich der Landessprache in gebildeter Form zu bedienen wußteund das Judenthum gegen christliche Zudringlichkeit in Schutz nahm.Brieli hatte den Muth, sich über zwei Dinge hinwegzusetzen, welchein den Augen des damaligen Geschlechtes schwerer als Verbrechenwogen: er blieb sein Lebelang unverheirathet und trug, als Rabbiner,keinen Bart. Dem Schriftsteller Isaak Cardoso widmete er beimErscheinen seiner beredten Vertheidigung des Judenthums und derJuden ein schönes hebräisches Sonett. Sie war ihm aus der Seelegeschrieben. Aber Brieli's Einfluß auf seine jüdischen Zeitgenossenwar sehr gering. Er hat sehr gut die Schwächen des Christenthumserkannt, aber für die Schäden des Judenthums und der Judenheithatte er nicht denselben scharfen Blick. Von der Schädlichkeit desLügenbuches Sohar und der Kabbala überhaupt war Brieli allerdingstief durchdrungen und wünschte, sie hätten nicht das Tageslichtgeschichtlicher Geburt erblickt; aber weiter reichte seine kritische Er-kentniß nicht.
Sonst waren die Rabbiner.,dieser Zeit im Allgemeinen keineMuster, die polnischen und deutschen meistens Jammergestalten, derenKöpfe erfüllt waren von unfruchtbarem Wissen und die sonst unwissendund unbeholfen waren, wie kleine Kinder. Die portugiesischen Rabbineutraten wenigstens äußerlich würdig und imponirend aus, aber innerlichwaren auch sie hohl; die italienischen hatten mehr Aehnlichkeit mit dendeutschen, besaßen aber nicht deren Gelehrsamkeit. So, ohne des Wegeskundige Führer, in Unwissenheit oder Wissensdünkel versunken, von Phan-tomen umschwärmt, taumelte dieGesammtjudenheit iu allen Erdtheilen ohneAusnahme von Thorheit zu Thorheit und ließ sich von Betrügernund Phantasten am Narrenseil leiten. Eine Albernheit, mochte sie nochso augenfällig sein, wenn sie nur mit scheinreligiösem Ernste geltendgemacht und in verrenkte Schriftverse oder talmudische Sprüche ingekünstelter Auslegung eiugefügt oder mit kabbalistischen Floskeln be-legt war, wurde zähe geglaubt und verbreitet. „Die Köpfe, demLeben und wahrer Wissenschaft entfremdet, erschöpften ihre übrigensnicht gemeinen Kräfte in Spitzfindigkeiten und abergläubischen Ver-irrungen der Kabbala. Die Lehrer sprachen selten oder nur talmudischzu den Schülern; auf den Vortrag selbst wurde keinerlei Sorgfaltverwendet, da es keine Sprache und keine Beredsamkeit gab"^). DerHöhepunkt des Mittelalters stellte sich in der jüdischen Geschichte zur
r) S. Note 6, 15.
") S. Zunz, gottesdienstliche Vorträge, 2. Ausl., S. 458 fg.