mit der Lauge ihres Spottes und der Schärfe ihres Schwertes be-kämpften; die jüdischen Dichter und Denker in Spanien und derProvence, welche den Christen die Kultur brachten; die Marranen inSpanien und Portugal, welche, in Mönchs- und Jesnitentalare gehüllt,die stille Flamme ihrer Ueberzeugung nährten und den mächtigenkatholischen Staat Philipps II. unterwühlten; die stolzen portugiesischenund die kriechenden deutschen Juden, sie haben für Basuage sammtund sonders eine und dieselbe Physiognomie, und sind einander zum Ver-wechseln ähnlich. Für den tiefen Kern ihres Wesens und ihrerLeistungen hatte er kein Verständniß. Sein protestantisches Bekennlnißhinderte ihn auch daran; er sah die jüdische Geschichte doch nur durchden dichten Nebel der Kirchengeschichte. Er konnte bei aller An-strengung, unparteiisch und gerecht zu sein, nicht darüber hinwegkommen: „die Juden sind verworfen, weil sie Jesus verworfen habendDie ganze jüdische Geschichte erschien ihm eigentlich nur alsSektengeschichte; er behandelte sie daher nicht erzählend und aus-malend, sondern zusammenreihend und disputirend. Kurz, Basnages„Geschichte der Religion der Juden" hat tausend Fehler, ja, es istkaum ein einziger Satz darin, der, nach allen Seiten hin betrachtet,richtig und genau der Wahrheit entsprechend wäre.
Und dennoch war ihr Erscheinen von großer Tragweite für dieJuden. Sie streute eine große Masse geschichtlichen Stoffes, wennauch roh oder entstellt, in die Kreise der gebildeten Welt, weil sie inder Mode gewordenen französischen Sprache geschrieben war, unddieser Same ging allmählig wuchernd auf. Ein Volk, das blutigverfolgt, ohne Heimath, auf der ganzen Erde keinen Ort fand, wo essein Haupt niederlegen, oder seinen Fuß hinsetzen konnte, und das dennocheine Geschichte hat, die noch dazu selbst dem verblendeten Blicke hierund da nicht ohne Glanz erscheint, ein solches Volk gleicht nicht einerZigeunerhorde und mußte immer mehr Beachtung finden. Ohne eszu wissen und zu wollen, hat Basnage, wenngleich auch er ihmmanchen Schandfleck angehängt hat, die Erhebung des jüdischen Stammesaus seiner Niedrigkeit angebahnt und gefördert. Die beiden Bücher-würmer, Christian Theophil Unger^), Pastor in Herrenlaurschütz(Schlesien), und Johann Christophorns Wolf, Professor der
>) Ungers Briefwechsel mit Juden, namentlich mit Isaak Vita Cantariniist zum Theil abgedruckt in Osar blsobraack III. 128 fg. sund Berliner'sMagazin IV, Anh. S. 85s; viele historische Nachrichten, von Unger mitgeteilt,hat Wolf in seine Libliotbsos. ausgenommen. Diese für ihre Zeit gründlichausgearbeitete Bibliographie ist in vier Bänden erschienen: I. vol. Hamburg— Leipzig 1715; II. vol. 1721 ; III. vol. 1727; IV. vol. 1733. Die Oppen-heimersche Bibliothek, welche Wolf wicderholentlich in Hannover (s. weiter)