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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Basnage.

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Wickelung der Kirche, stieß Bas nage fast bei jedem Schritte aufJuden, und ihn überkam die Ahnung, daß das jüdische Volk dochnicht, wie die Alltagstheologen glaubten, mit dem Untergang seinerstaatlichen Selbstständigkeit und der Ausbreitung des Christenthumsausgespielt hätte, gewissermaßen dem Tode verfallen sei und nur nochals Leiche umherwandle. Das großartige Märtyrerthum dieses Volkesund seine so reiche Literatur imponirten ihm. Sein Wahrheitssinnfür geschichtliche Vorgänge gestattete ihm nicht, die Thatsachen mitnichtssagenden Phrasen abzuweiscn und wegzuklügeln. Basnage unter-nahm vielmehr die Geschichte der Juden oder der jüdischenReligion, so weit sie ihm bekannt war, seit Jesus bis auf seineZeit zusammenzustelleu, woran er über fünf Jahre im besten Mannes-alter arbeitete i). Er beabsichtigte damit eine Fortsetzung der Geschichtedes jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus seit der Zer-streuung des jüdischen Volkes zu geben. Basnage bestrebte sich, soweit damals ein gläubiger Protestant es vermochte, unparteiisch dieVorgänge darzustellen und zu beurtheilen.Der Christ darf esnicht sonderbar finden, daß wir sehr oft die Juden von verschiedenenVerbrechen entlasten, deren sie nicht schuldig sind, da die Gerechtigkeites so verlangt. Es heißt nicht Partei nehmen, wenn man diejenigender Ungerechtigkeit und der Gewalt anklagt, die sie geübt haben.Wir haben nicht die Absicht, die Juden zu verletzen, aber auch nichtihnen zu Gefallen zu sprechen. Im Verfalle und in der Hefe derJahrhunderte hat man sich mit einem Geiste der Grausamkeit undBarbarei gegen die Juden bekleidet. Man hat sie angeklagt, dieUrsache aller Unglücksfälle zu sein, welche sich ereignet haben, und be-lastete sie mit einer Unzahl von Verbrechen, an die sie niemals gedachthaben. Man hat unzählige Wunder ausgedacht, um sie davon zuüberzeugen, oder vielmehr um desto lauter im Schatten der Religionden Haß zu befriedigen. Wir haben eine Sammlung von Gesetzenangelegt, welche die Concilien und die Fürsten gegen sie veröffentlichthaben, durch welche man über die Bosheit der Einen und die Unterdrückungder Anderen sich ein Urtheil bilden kann. Man hat sich aber nichteinmal an die Edikte gehalten, sondern überall fanden häufige militärischeHinrichtungen, Volksaufläufe und Gemetzel statt. Indessen durch einWunder der Vorsehung, welches das Erstaunen aller Christen er-regen muß, besteht diese gehaßte, an allen Orten seit einer großen

*) Der Titel lautet: 1/U.istoirs st tu rsliZion äss lluits äsxuis ässusObrist jusgu'u prsssut, pour ssrvir äs supplsmsiit st äs oontirnrutionä, 1'bistoirs äs llossxb, Rotterdam 1707 1711 , in 5 Bänden, dann öftergedruckt.