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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Christenthums, damit Christen nicht,wie vor etlichen Jahren viel-fältig geschehen ist, zum Abfall davon und zum Anschluß an dasJudenthum verleitet würden')." Aber Kaiser Leopold ließ sich nichtbewegen, das Siegel von Eisenmengers Buch zu lösen. König Friedrichwandte sich noch drei Jahre später auf Gesuch der EisenmengerschenErben an Kaiser Joseph I. Auch bei diesem fand des Königs Wunschkein Gehörs, und die 2000 Exemplareentdecktes Jndenthum"blieben vierzig Jahre in Frankfurt unter Siegel. Aber mit FriedrichsGenehmigung wurde eine zweite Auflage davon in Königsberg ver-anstaltet, wo die kaiserliche Censnr keine Gewalt hatte. Es hatte fürden Augenblick keine so nachtheilige Wirkung, als die Einen gehofftund die Andern gefürchtet hatten; aber für die Zukunft, als es sichdarum handelte, die Juden als Menschen, als Bürger und Staats-bürger anzusehen, erwies es sich als eine Rüstkammer für übelwollendeoder gedankenträge Gegner derselben.

König Friedrich I. wurde noch öfter von Judenfeinden behelligt,ihre Gemeinheit mit seiner königlichen Autorität zu decken. DieLicht- und Schattenseiten in der Beurtheilung der jüdischen Literaturzeigten sich auch dabei recht anschaulich. In Holland, dem ebenfallsprotestantischen Lande, hegte ein christlicher Gelehrter in derselbenZeit eine förmliche Schwärmerei für den Grundstock des talmudischenJudenthums, für die Mischna. Der junge Wilhelm Surenhuysaus Amsterdam hat in einer langen Reihe von Jahren die Mischnamit zwei Commentaren derselben ins Lateinische übersetzt (gedruckt16981703). Er zeigte dabei mehr als holländischen Fleiß undGeistesaufwand. Es gehörte in der That Liebe dazu, um ein solchesStudium zu unternehmen, dabei zu verharren und das unternommeneWerk sauber und ansprechend auszuführen. Keine Sprache undLitteratur bietet so viele Schwierigkeiten wie dieser größtentheils ausdem Leben geschwundene Dialekt, die Gegenstände die er beschreibt,und die Form, in die Alles gegossen ist. Surenhuys saß allerdingsZu den Füßen jüdischer Lehrer, deren es so viele in Amsterdam gab,und er war äußerst dankbar dafür. Aber diese Nachhilfe überhobihn nicht der eigenen Thätigkeit und Hingebung. Er war dabei vonder Ueberzeugung geleitet, daß das mündliche Gesetz, die Mischna,ihrem Hauptinhalte nach ebenso göttlich sei, wie das geschriebene Bibel-wort b). Er wünschte, daß die christlichen Jünglinge, welche sich zurTheologie und zum geistlichen Stande vorbereiten, sich nicht den

') Schudt D III. Anfang. sG. Wolf a. a. O.)

-) Das. S. 4ti fg. (G. Wolf das. S. 467, 469 f.)

2) Surenhuys lllisollus. L. II. Widmung an Kosmo von Medici Bl. IV a.