Friedrich I. von Preußen.
281
gewaltthätige Angriffe auf sie strengstens zu verbieten — mit derErklärung, daß er die Anschuldigung gegen sie von Theologen unter-suchen lassen und, wenn wahr befunden, zu ahnden wissen werde.Da er aber noch immer die Juden in Verdacht hatte, sie schmähtenin Gedanken Jesus, so erließ er einige ganz charakteristische Verord-nungen (28. August 1703*). Es sei allerdings seines Herzens Wunsch,daß das Volk Israel, welches der Herr einst so sehr geliebt und zuseinem Eigenthum erkoren hat, zur Glaubensgemeinschaft geführt würde.Indessen maße er sich nicht die Herrschaft über die Gewissen an undwolle die Bekehrung der Juden der Zeit und Gottes Rathschluß über-lassen. Auch wolle er ihnen nicht einen Eid auflegen, daß sie dieangeschuldeten Worte im Gebet niemals sprechen werden. Aber erbefehle bei Strafe, daß sie sich derselben enthalten, das Gebet Alenulaut sprechen und nicht dabei ausspeien sollten. Aufseher wurdenernannt, welche von Zeit zu Zeit in den Synagogen horchen mußten,ob das betreffende Schlußgebet laut oder leise vom Vorbeter vor-getragen wurde. Durch die Bemühung eines sehr einflußreichen Juden,Jsaschar Bärmann in Halberstadt, Hofagent des Kurfürsten vonSachsen und Königs von Polen, auch in Berlin wohl gelitten, wurdedie Polizeiliche Aufsicht über die jüdischen Gebete gemildert ^).
Eisenmenger vor seinem Tode und nachher seine Erben, welchedes Preußischen Königs Neigung kannten, der Anklage gegen die Judeneinigermaßen Gehör zu geben, hatten sich daher an ihn gewendet, esbeim Kaiser Leopold durchzusetzen, daß der Bann und die Haft vondem judenfeindlichen Buch „entdecktes Judenthum" gelöst werde.Friedrich I. nahm sich der Erben sehr warm an und richtete eine ArtBittschrift an den Kaiser (25. April 1705), welche für die Zeitstimmungrecht charakteristisch ist. Der König hob hervor, daß Eisenmenger seinganzes Vermögen in dieses Buch gesteckt und sich durch das kaiserlicheVerbot zu Tode gekränkt habe. Es sei einer Verkleinerung desChristenthums gleich, wenn die Juden so mächtig sein sollten, einzur Vertheidigung des Christenthums und zur Widerlegung derjüdischen Jrrthümer verfaßtes Buch unterdrücken zu können. Es seinicht zu besorgen, wie die Juden vorgeben, daß es das Volk zu Mordund Todschlag gegen sie aufreizen würde, da bereits mehrere ähnlicheSchriften jüngstens erschienen seien die ihnen nicht geschadet hätten.Eisenmenger's Buch bezweckte auch weit mehr die Beförderung des
st Mylius das. S. 141 No. 14, 1ö. König, Annalen S. 138, 188, Auer-bach, Geschichte der Israeliten-Gemeinde Halberstadt S. 166. (Geiger das.II, 26 ff.)
") Auerbach das. S. 165, Beil. No. 1. Ueber Bärmann das. S. 43 fg.