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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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278 Geschichte der Juden.

sogen und anfangs in aufrichtiger Absicht die Juden haben anschwärzenwollen.

Einige Juden hatten Wind von dem Drucke des EisenmengerschenWerkes in Frankfurt a. M. (1700) erhalten und erschraken nichtwenig über die ihnen so nahe drohende Gefahr. Denn noch bestandenin Deutschland allzufest die alten Borurtheile gegen die Juden in denMassen und unter den Geistlichen, mehr noch unter den protestantischen,als unter den katholischen, als daß eine in deutscher Sprache verfaßteBraudschrift voraussichtlich unwirksam ablaufen sollte. Die Frank-furter Juden setzten sich daher mit den Hofjuden in Wien in Ver-bindung, um der Gefahr zu begegnen. Derselbe Kaiser Leopold I.,welcher durch die Kaiserin und ihren Beichtvater die Juden aus-gewiesen hatte, hatte einigen reichen Juden kaum fünfzehn Jahrespäter aus Geldnoth in Folge der Türkenkriege gestattet, sich wiederin Wien niederzulassen. Samuel Oppenheim aus Heidelberg Z,ein Banquier und einer der edelsten Männer der Judenheit, dessenHerz und Hand allen Nothleidenden offen stand, hatte wahrscheinlichdiese Erlaubniß bewirkt. Wie früher zogen auch damals mit ihmmehrere jüdische Familien angeblich als seinGesinde" nach Wien.Samuel Oppenheim nahm mit Eifer die Sache in die Hand, dasErscheinen von Eisenmeuger's judenfeindlichem Buche zu verhindern.Er hatte in demselben Jahre erfahren, was der durch Judenhaß auf-gestachelte christliche Pöbel zu leisten vermochte. Weil sein Dienereinigen christlichen Gesellen gegenüber sich zu lachen erlaubt hatte,entstand ein Auflauf gegen sein Haus, es wurde gewaltsam erbrochenund Alles, was sich darin befand, auch die Kasse, geplündert (17. Juli1700). Zwei Rädelsführer wurden zwar an die Fenstergitter seinesHauses gehängt; der Kaiser sprach sein Mißfallen darüber aus undbedrohte die Wiederholung von Gewaltstreichen gegen die Juden mitder--schwersten Strafe^). Aber konnte das Wort des Kaisers allein

*) lieber denselben Schudt I. S. 351, 428; das kaiserliche Privilegium sürihn und seine Familie im monatlichen Staalsspiegel 1700 Spt. Sein Lob inSalomon Hanau's deutscher llebersetzung des in ruer. Vergl. L. A. Frankl,Wiener Epitaphien No. 232 und x. XV. Aus dieser Urkunde folgt, dassS. Oppenheim mit noch zwei anderen Juden bereits Mai 1685 in Wien war;aber 1683 wurde das Gesuch der Juden, sich daselbst niederzulassen, abgeschlagen.Folglich fällt die Ansiedelung Oppenheims und einiger anderer Familien 1684.(lieber die Niederlassung Samuel Oppenheimers in Wien vgl. Kaufmann,Samson Wertheimer, der Oberhosfactor und Landesrabbiner und seine Kinder(Wien 1888, 8), S. 1 ff., 6 ff. lieber die Plünderung des OppenheimerschenHauses in Wien am 21. (nicht 17.) Juli 1700; s. das. S. 16 ff.)

") Schudt das. S. 351 und (Wertheimer) Juden in Oesterreich S. 133.(Vgl. Kaufmann a. a. O. S. 18, Steinschneider in derZeitschrift für Geschichte