Eisenmenger.
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abgerissene Sätze aus der talmudischen und späteren rabbinischenLiteratur und dazu die antichristianischen Schriften ausgezogen, übersetztund judenfeindliche Schlüsse daraus gezogen hätte, so hätte diesesnur sein schwaches Denkvermögen bekundet. Aber Eisenmenger hatgeradezu die entsetzlichsten Unwahrheiten, wie Wagenseil sie nannte,als unerschütterliche Thatsachen hingestellt. Ein ganzes Capitel häufteBeweise auf Beweise: daß den Juden nicht gestattet sei, einen Christenaus Lebensgefahr zu retten, daß die rabbinischen Gesetze befehlen,Christen ums Leben zu bringen, und daß man den jüdischen Aerztenkein Vertrauen schenken und ihre Arzneien nicht gebrauchen dürfe.Er wiederholte alle die Lügenmärchen vom Morde der Juden anChristen begangen, von der Brunnenvergiftung durch Juden zur Zeitdes schwarzen Todes, von der Vergiftung des brandenburgischen Chur-fürsten Joachim II. durch seinen jüdischen Münzmeister >), von RaphaelLevi's Kindermord in Metz (o. S. 245), kurz Alles, was nur je vonheiliger Einfalt oder von pfäffischem Betrüge oder von aufgeregtemFanatismus erfunden und den Juden aufgebürdet worden war.Die Erlogenheit des Märtyrertodes des kleinen Simon von Trientist zur Zeit durch urkundliche Zeugnisse vom Dogen und dem Senat vonVenedig sonnenklar erwiesen worden. Nicht nur die jüdischen Schrift-steller Isaak Viva und Isaak Cardoso, sondern auch christliche, Wülferund Wagenseil, haben diese Urkunden als echt anerkannt und die An-schuldigung gegen die Juden von Trient als eine himmelschreiendeUngerechtigkeit dargestellt ^). Eisenmenger kehrte sich nicht daran, gabsie als gefälscht aus und behauptete den Blutdurst der Juden mitallem Eifer und Nachdrucks. Man wäre berechtigt, sein Anklage-verfahren gegen die Juden seiner Gemüthsrohheit oder der einfachenHabsucht znzuschreiben. Denn obwohl im Hebräischen sehr gelehrt,war er sonst ungebildet Z. Sein Schweigen gegen die Juden hat ersich in klingender Münze zahlen lassen wollen. Allein zur Ehre derMenschheit mag man lieber an seine Verblendung glauben; er hatsich lange Zeit in Frankfurt a. M., ehemals dem Hauptsitz desJudenhasses in Deutschland aufgehalten, und dort mag er ihn eiuge-
-) B. IL. S. 474.
") B. VIII. S. 257. Isaak Viva druckte diese Urkunden am Ende seinesviuäsx sanguinis ab, Js. Cardoso am Ende seiner Uxosisneias äs losUsbrsos. Wagenseil bemerkt in seiner Schrift: unwidersprechliche Widerlegungder entsetzlichen Unwahrheit S. 192, daß dieses Edikt in Padua im Originalvorhanden sei.
6) Entdecktes Judenthnm II. S. 218 fg.
^ Schudt I. S. 4S6.