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Geschichte der Juden.
schönen Gebetstücke, das in einer Zeit und einem Lande entstanden ist,in denen vom Christenthum noch wenig die Rede war*), nahmenChristen, von getauften Juden mißleitet, argen Anstoß. Einige Judenpflegten nämlich zu diesem Gebete einen Satz hinzuzufügen: „Dennsie (die Heiden) beten zum nichtigen leeren Hauch." In demWorte „leer" wollten Judenfeinde Jesus gezeichnet sehen und eineLästerung gegen ihn finden^). Gedruckt war dieser Satz in den Gebet-büchern nicht. Aber in manchen Ausgaben war dafür ein leerer Raumgelassen. Diese leere Stelle oder dieses Wort rra-Lik ließ den frommenProtestanten keine Ruhe, und Wülfer suchte darum in Bibliothekenumher, um einen Beleg dafür zu finden, und als er das Wort inHandschriften fand, verfehlte er nicht, es in einem Buche bekannt zumachen 2). Er lobte den Fürsten Georg von Hessen dafür, daß erseine Juden einen verschärften Eid schwören ließ, daß sie nimmer einlästerliches Wort gegen Jesus ausstoßen würden, und daß er sie imUebertretungsfalle mit dem Tode zu strafen bedrohte. Allein Wülferwar anderseits auch gerecht genug, einzugestehen, daß die Juden solange und so grausam um nichts von den Christen verfolgt wordenseien, daß die Anschuldigung vom Blutgebrauch gegen sie eine boshafteErfindung sei, und daß das Zeugniß getaufter Juden gegen Judenwenig Glauben verdiente^).
Der Jurist Johann Christoph Wagenseil, Professor in Altorf,ein sehr gutmüthiger, von Wohlwollen für Juden erfüllter Mann,machte es noch schlimmer gegen sie, als der oben erwähnte Theologe. Erhatte noch weitere Reisen als Wülfer gemacht, war über Spanien bis nachAfrika vorgedrungen und gab sich die größte Mühe, solche jüdischeSchriften aufzutreiben, welche ans der heiligen Schrift oder mit denWaffen der Vernunft gegen das Christenthum ankämpften (anti-christianische Schriften). Mit diesem Funde füllte er seinen Köcher „mitdes Teufels feurigen Geschossen"^). Selbst jenes geschmacklose
*) Das Gebet beginnt mit — Hsnu, wahrscheinlich von Rab, d. i.Abba Areka in Babylonien, im III. Jh. für das Neujahr verfaßt; s. B. IV.S. 257 ff., 471.
-) ll.-w. Das Wort rva-Nilr hat den Buch-
stabsnzahlenwerth 3 >6, und eben so viel das Wort nr-> — Jesus.
3) Es ist das öfter citirte: lllbsrtaoa lluäs.ioa, s-ä sxauasu rsvooata;Nürnberg 1681. Es enthält die Schmähschrift des Convertiten SamuelFriedrich Brenz, „Schlangenbalg" (Nürnberg 1614), die Widerlegungderselben von Salomo Zewi Uffenhausen, jüdischer Theriak (injüdisch-deutscher Schrift, Hanau 1615), von Wülfer ins Lateinische übersetzt,nnd ^niraaävsrsiouss aä lllbsriaoava. lieber das. 308 fg.
Z Das. x. 168, 171, 76, 78, 13».
2) "Isla, iAnsa Labarms, Altdorf 1681.