272 Geschichte der Juden.
um karäische Gemeinden zu besuchen und deren Schriften aufzukaufen.Sie forderten zugleich Karäer freundlich auf, nach Schweden zukommen, um mündliche Auskunft über ihr Bekenntniß zu geben. DieBekehrungssucht hatte gewiß mehr Antheil daran, als Wißbegierdenach dem Unbekannten. Ein junger Karäer Samuel b. Aaron,der sich in Poswol in Samogitien niedergelassen hatte und etwasLateinisch verstand, entschloß sich nach Riga zu einem königlichen Be-amten, Johann Puffendorf, zu reisen und mit ihm eine Unter-redung zu halten. Bei dem Mangel an litterarischen Quellen und beider Unwissenheit der Karäer über den geschichtlichen Gang und dieEntwickelung ihrer Sekte konnte Samuel b. Aaron nur Dürftigesliefern in einer Schrift, deren Titel schon die auch in den karäischenKreis eingedrungene Spielerei bekundet^).
Auch von einer anderen Seite wurden die Karäer Gegenstandeifriger Nachforschung. Ein Professor in Leyden, Jakob Trigland^),der in der hebräischen Literatur ziemlich heimisch war, wollte einBuch über die alten, verschollenen jüdischen Sekten schreiben undwurde auf die noch bestehenden Karäer aufmerksam gemacht. VomWunsche beseelt, Auskunft über die Polnischen Karäer zu haben undin den Besitz ihrer Schriften zu gelangen, sandte er einen Brief durchbekannte Kaufhäuser aufs Gerathewohl an die Karäer (Frühjahr 1689)mit bestimmten Fragen, um deren Beantwortung er bat. Dieser Briefkam zufällig einem Karäer Mardocha'i b. Nissan aus Kukisow(drei Meilen nordöstlich von Lemberg) in Luzk in die Hände, unddieser, ein armer Gemeindebeamter, wußte selbst nicht genug, um Be-scheid über Anfang und. Grund der Spaltung zwischen Rabbanitenund Karäer geben zu können. Aber er betrachtete es als eine Ehren-sache, diese Gelegenheit wahrzunehmen, um durch das Organ eineschristlichen Schriftstellers die vergessenen Karäer der gebildeten Weltin Erinnerung zu bringen und deren Gegnern, den rabbanitischcuJuden, einige Streiche zu versetzen. Er scheute keine Opfer, um sichdie wenigen Bücher zu verschaffen, aus welchen er sich selbst undseinen CorrespondentenTrigland belehren konnte. Mit diesen Schriften wares jedoch nicht weit her, und Mardochais Abhandlung für Trigland istdarum auch sehr dürftig ausgefallen. Nichtsdestoweniger hatte sie ausMangelan einer bessern Arbeit das Glück, fast anderthalb Jahrhundert als einzigeQuelle für die Geschichte des Karäerthums zu dienen ^). Einige
st ib pnon s. Note 5.
st Das.
st 'oiiv in zuerst mit lat. Uebersetzung edirt, in Wolfs uoiütm Laraso-rura. 1714.