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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Die Könige von Schweden und die Karäer. 271

sandte daher einen der hebräischen Literatur kundigen Professor zuUpsala, Gustav Periuger von Lilienblad, nach Polen (um 1690)zu dem Zwecke, die Karäer aufzusuchen, sich nach ihrer Lebensweiseund ihren Gebräuchen zu erkundigen und besonders ihre Schriftenanzukaufen, ohne Kosten zu scheuen st. Mit Empfehlungsbriefen anden König von Polen versehen, reiste Peringer zunächst nach Litthauen,wo es mehrere karäische Gemeinden gab. Aber die polnischen undlitthauischen Karäer waren noch mehr verkommen, als ihre Brüder inConstantinopel, in der Krim und in Aegypten. Durch die kosakischeVerfolgung war ihre Zahl noch mehr zusammengeschmolzen und ihreLitteratur zerstreut. Es gab nur sehr wenige Kundige unter ihnen,welche von ihrem Ursprünge und dem Verlaufe ihrer Sekte ein Ge-ringes wußten, genau wußte es kein Einziger. Gerade um diese Zeithatte der polnische König Johann Sobieski durch den bei ihmbeliebten karäischen Richter Abraham b. Samuel aus Torok, manweiß nicht zu welchem Nutzen, dessen Bekenutnißgenossen ausfordernlassen, sich von ihren Hauptsitzen Torok, Luzk, Halicz auch in andernkleinen Städten anzusiedeln st; sie leisteten Folge und zerstreuten sichnoch mehr bis in die Nordprovinz Samogitien. So von ihremMittelpunkte getrennt, vereinzelt, den Umgang mit Rabbinen meidendund auf die polnische Landbevölkerung angewiesen, verbauerten diepolnischen Karäer immer mehr und fielen einem tiefgewurzelten Stumpf-sinn anheim ^). Welch' einen Gegensatz boten sie gegen die allzu über-triebene geistige Beweglichkeit der rabbinisch-polnischen Juden! AberJene waren in ihrer Einfalt biederer und rechtlicher geblieben.

Wenn der von Karl XI. ausgesandte Peringer neben theoretischerKenntniß des Hebräischen auch einen praktischen Blick besessen hat, sokonnte es ihm nicht entgangen sein, daß die Karäer ebenso wenig wiedie Rabbaniten den Standpunkt der Bibel rein eingenommen hattenund nicht weniger im Autoritätsglauben befangen waren. Es mußteihm aufgefallen sein, daß sie einen sehr schwankenden Festkalenderhatten, und daß sie an den streng befolgten levitischen Reinheit»- undUnreinheitsgesetzen ein noch schwereres Joch trugen als die Verehrerdes Talmud. Ob Peringer auch nur zum Theil den Wunsch seinesKönigs erfüllt hat, ist nicht bekannt; wahrscheinlich ist es nicht. DenneinigeJahre später (169697) machten abermals zwei schwedischeGelehrte,wahrscheinlich ebenfalls im Aufträge Karl's Xl., Reisen in Litthauen,

st S. Note 5.

st Urkunden bei Neubauer, aus der Petersburger Bibliothek, S. 139,No. 26; Datum der Auswanderung 1688.

st Mardochat in Dock Naräoobs.1 o. 7.