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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Feindseligkeit gegen die Paduaner Gemeinde. 257

Tuchmacherzunft in Padua beschuldigte die Juden, daß sie widergesetzlichTuch Ellenweis verkauften und machte deswegen einen schweren Proceßgegen sie anhängig. Sie konnte aber mit ihren Klagen vor Gerichtnicht durchdringen und versuchte es daher, die niedere Bevölkerunggegen sämmtliche Juden zu reizen. Sie benutzte schlau die aufgeregteStimmung, welche in Italien wie in ganz Europa herrschte, wegendes Vordringens türkischer Heere bis vor die Mauern Wiens undder tapferen Gegenwehr, welche die türkische Besatzung in Ofen denvereinten christlichen Heeren entgegensetzte. Wer will es den Judenverdenken, daß ihre Sympathie auf Seiten der Türken war, welcheallerdings gegen einzelne Juden, aber nie gegen Gemeinden barbarischverfuhren, nie Ausweisungen über sie verhängt haben? Diese Sympa-thien wurden ihnen aber als Verrath amtheuren Vaterlande" an-gerechnet; neue Märchen wurden erfunden, um ihre Schlechtigkeit zubekunden. In einer kleinen mährischen Stadt Ungarisch-Brod fieldie Bevölkerung gerade an dem Tage, an dem die Türken Wien um-zingelten (20. Tammus 14. Juli 1683) unter 'den Augen desösterreichischen Heeres die kleine Gemeinde an und tödtete vierzigvon ihnen i).

Eine große Aufregung brachten die Türkenkriege vor Wien undin Ungarn auf die heißblütigen Italiener hervor, besonders auf dieBevölkerung der venetianischen Republik, welche durch die Siege desHalbmondes manchen Verlust erlitten und sich daher Oesterreich zurBekämpfung des Halbmondes angeschlosfen hatte. So oft eine Postvom Kriegsschauplätze eintraf, stellte sich in den venetianischen Städteneine fieberhafte Spannung ein. Man weiß nicht recht, hat die schlaueBerechnung der Judenfeinde in Padua oder ihre erhitzte Phantasiedie Juden in jede Nachricht hineingezogen: von der großen Anzahlder' Judengemeinden in Ofen, ihrem erstaunlichen Reichthum undganz besonders von ihrer Grausamkeit gegen die christlichen Kriegerund Gefangenen, die sie mit den Türken um die Wette mißhandelt,geschunden, zerfleischt haben sollen? Damit hetzten die Judenfeindein Pgdua die Menge gegen die Juden, als wenn auch sie es heimlichmit den Türken hielten. Als diese am Tage zur Erinnerung anJerusalems Untergang in den Synagogen zum Trauergottesdiensteversammelt waren, hieß es: sie beteten für den Sieg des Halbmondesüber das Kreuz. Die Bevölkerung, von den Tuchfabrikanten, Wollen-es Vergl. Orient. Litbl. 1843, sol. 270, 71, Katalog UocU.sis.ns. No. 3526.(Die Verheerung von Ung.-Brod fand durch die Kuruzzen unter Tököly statt.113 Juden kamen dabei ums Leben. Vgl. Kaufmann in der Monatsschrift fürGeschichte und Wissenschaft des Judenthums, 37. Jhrg., S. '270 ff., 319 ff.)

Graetz, Geschichte der Juden. X. 17