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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Die Ausweisung der Juden aus Wien.

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Elend oder wenigstens in eine sorgenvolle Lage gestoßen und mehrerevon ihnen den Strapazen erlegen waren, überreichte der Rest, mehrals 300, noch einmal eine Bittschrift an den Kaiser, hob noch einmaldie Verdienste der Juden um das Kaiserhaus hervor, stellte alle diegegen sie erhobenen Anschuldigungen als grundlos, jedenfalls alsunerwiesen dar, scheute sich nicht, es auszusprechen: daßein Judezu sein doch kein Laster sein könne" und daß sie eigentlich doch alsrömische Bürger zu betrachten wären, die nicht so ohne weitereshinausgejagt werden dürften. Sie baten wenigstens um Aufschubbis zum nächsten Reichstag. Auch diese Bittschrift, welche mit Rechtdarauf hinwies, wo sie denn eine Zufluchtsstätte finden sollten, wennder Kaiser, das Oberhaupt von halb Europa, sie verstieße, blieb ohneWirkung. Auch die Letzten mußten abziehen; nur eine Familie, diedes Hoffactors Marcus Schlesinger Jaffa, durfte wegen ge-leisteter Dienste in Wien bleiben ^). Die Jesuiten rieben sich dieHände und verkündeten in einem Gradusbüchlein den großen RuhmGottes. Das Judenquartier kaufte der Magistrat dem Kaiser um100,000 Gulden ab und nannte es zu Ehren des Kaisers Leopold-stadt. Der Platz der Synagoge wurde zu einer Kirche verwendet,wozu der Kaiser den ersten Grundstein legte (18. August 1670), zuEhren seines Schutzpatrons. Eine goldene Tafel sollte die Schand-thaten der Juden verewigen:Nachdem die Juden völlig von hier

ausgeschafft worden, hatte der Kaiser diese ihre Synagoge, als eineMördergrube, zum Hause Gottes aufrichten lassen." Die Tafel be-urkundet aber nur die Geistesschwachheit des Kaisers und seines Volkes.Das talmudische Lehrhaus (Bet-ha-Midrasch), welches ein frommerund reicher Mann Zacharia b. Beer Halevi etwa ein Jahrzehntvorher gegründet hatte, worin 24 Talmudbeflissene sorglos demfrvmmen Studium obliegen konnten^), dieses Gebäude wurde ebenfallsin eine Kirche verwandelt und zu Ehren der Kaiserin und ihrerSchutzpatronin genannt^). Damit die Gräber der Vorfahren durchden jesuitischen Fanatismus nicht auch noch entweiht würden, über-

st L. A. Frankl, Inschriften des Wiener jüdischen Friedhofs, Nr. 430.

2) Grabschrisl in den Wiener Epitaphien von L. Ä. Frankl das. S. 47 (hebr.);Wagenseil, ll?öla rAuss, Labanas I. k?r».s1 p>. 72.

°) (Vgl. jedoch Kaufmann, a. a. O. S. 157,Anm.7.j Quellen für dieAusweisungder Juden aus Wien, Bericht des Jesuiten Wagner und des protestantischenHistoriographen Rink in Historia, llisoxoläi rauAvi i?. I. p. 330 fg. bei (Wertheim)Juden in Oesterreich S. sg; Rbss-brura iüwropasrrra XI. x. 256 fg., auch beiSchudt I. S. 344. Aus dieser Quelle ist zu ersehen, daß Wagner alle die Ueber-treibungen referirt hat, welche der Bischof Kallowicz von der Kanzel gedonnerthatte. Jüdische Quellen, Sasportas Rsspx. Ende (s. Note 2.) Isaak VitaCantarini pn-' p>. 13 b: er setzte die letzte Auswanderung der Juden aus