Ausweisung der Juden cms Oesterreich. 237
Juden gründlich, und ihr Beichtvater bestärkte sie nur darin. Alssie einst auf einem Balle sich ein Unwohlsein zugezogen hatte, undeine frühzeitige Geburt die Folge davon war, wollte sie sich nachihrer Genesung dankbar gegen den Himmel erweisen, der sie so wunderbarerrettet, und fand kein Gott wohlgefälligeres Mittel als das Unglückder Juden. Dringender als früher bestürmte sie ihren kaiserlichenGemahl, die ihr von ihrem Beichtvater als Auswürflinge der Höllegeschilderten Inden der Hauptstadt und des Landes zu verbannenund erhielt seine Zusage. Der Kaiser Leopold legte zwar die Fragedem Staatsrathe vor und hörte von gewichtigen Personen Gegengründe.Einige markirten den Finanzpunkt und den Verlust, den die kaiserlicheChatulle dadurch erleiden würde, Andere betonten mehr den Rechts-punkt. Ein besonders geachteter Mann (Graf Jörger, später Minister)sagte gerade heraus: daß die Vertreibung der Inden, denen d:eNiederlassung durch kaiserliches Wort verbrieft worden war, das Rechtverletze und das Vertrauen sämmtlicher Unterthancn erschüttern würde.Allein der Kaiser war nicht mehr frei, auf Vcrnunftgxüude zu hören.Die Verbannung der Juden aus Oestreich war eine beschlossene Sache.Unter Trompetenschall wurde daher des Kaisers Befehl in Wien be-kannt gemacht (1. März*) 1670): daß die Inden binnen einigenMonaten Wien bei Leibes- und Lebensstrafe zu verlassen haben. DieJuden ließen es an Bemühungen nicht fehlen, den Schlag abznwenden.Oefter war schon von östreichischen Kaisern ein solcher Beschluß znrnck-genommen worden. Sie beriefen sich auf ihre verbrieften Privilegien,auf die Dienste, die sie dem Kaiserhause geleistet, boten große Geld-summen (es gab sehr reiche Hofjnden in Wien), benutzten den Einflußeiniger dem Hoskreise nahestehenden Persönlichkeiten, überreichten nacheiner Genesungsfeier des Kaisers beim Heraustreten aus der Kircheihm einen großen, goldenen Pokal, und der Kaiserin ein schön ge-arbeitetes silbernes Handbecken nebst Gießkanne. Die Geschenke wurdenangenommen, aber der Befehl doch nicht zurückgenommen. Der vonglühendem Jndenhasse erfüllte Bischof Kallowicz von Neustadt hielteines Sonntags in Gegenwart des Kaisers eine so fanatisirende Redegegen die Inden, daß auch ein weniger bigotter Kaiser, als esLeopold war, gegen sie dadurch hätte eingenommen werden können.Er schilderte die Jndengasse am untern Wörth als einen Schlupf-winkel der allerschenßlichsten Laster, wo unschuldige Christen undJungfrauen verführt würden, wo Diebeshehlereien und Christenmordhäufig vorkämen. Er beschuldigte sie des verrätherischen Einverständ-nisses mit dem Reichsfeinde, dem Türken. Selbst einen kurz vorher
^ (Vgl. (Kaufmann a. a. O. S. t25.))