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Geschichte der Juden.
zu lassen und ihnen das Zengniß zu ertheilen, daß sie nicht wegenVergehungen oder Verrätherei, sondern lediglich wegen Unduldsamkeitder Regentin verbannt wurden (Ende April 1669 '). Ihre Besitz-thümer mußten sie in der Eile um einen Spottpreis verkaufen. DieAnsgewiesenen ließen sich in der Gegend Savoyens, in Nizza, Villa-franca nieder.
Wie die Mutter, so die Tochter. Um dieselbe Zeit wurde dieAusweisung der Juden aus Wien und dem Erzherzogthnm Oestreichdekretirt und zwar auf Anregung der Tochter der spanischen Regentin,der Kaiserin Margaretha, in Verbindung mit den Jesuiten.Seitdem Leopold I. den Thron bestiegen hatte, er, der zum geistlichenStande bestimmt worden war und dem Jesuitenorden auch als Kaiserangehörte, hatten die Jünger Loyola's allen Einfluß auf Schule undKanzel und damit auch auf die öffentliche Meinung. Sie hetzten denHof und die Bevölkerung zum Fanatismus gegen die akatholischeBevölkerung; die Protestanten in Ungarn ließen sie ebenso verfolgen,wie sie die Hugenotten in Frankreich und die Dissidenten in Polenrechtlos gemacht hatten. Die Inden mußten dabei mitbüßen. DerBrodneid der christlichen Kaufmannschaft und die Rauflust der jesuitischerzogenen Studenten wurden künstlich gegen sie anfgestachelt. Angriffevon Scholaren auf Juden waren eine fast tägliche Erscheinung. Fandman gar eine christliche Leiche im Wasser, so wurde ohne weiteresvon den geschäftigen Judenfeinden der Verdacht gegen die Judenerregt und durch Zeitungsblätter, Lieder, Pasquille und Bilder ge-nährt^). Der Kaiser ließ sich zwar nicht so bald gegen die Judeneinnehmen, weil er eine sichere Rente von ihnen bezog. Die auffast 2000 Seelen angewachsene Gemeinde Wiens zahlte jährlich alleinan Schutzgeld 10,000 Gulden und die Landgemeinden 4000. Mitanderweitigen Einnahmen von den Juden znsammengerechnet, hatteder Kaiser jährlich 50,000 Gulden von ihnen ^). Aber eine Kaiserinbraucht sich nicht um die Finanzen zu kümmern, sie darf ihrem Herzenfolgen, und ihr Herz, vom jesuitischen Christenthum erfüllt, haßte die
Z TeBarrios a. a. O. xi15—18. Sasportas 2ir:s,b Xodsl 2sdi p. 46 s,s. auch Note 2.
") Vergl. die Urkunde bei (Wertheimer) die Juden in Oesterreich Nr. 24,S. 167. (Heber alle diese Vorgänge vgl. die gründliche und erschöpfende Dar-stellung David Kaufmanns in seinem Buche: Die letzte Vertreibung derJuden aus Wien und Niedcröstreich, ihre Vorgeschichte (1524 —1676) und ihreOpfer. Budapest, 1886, 8. S. bes. S. 95 ff.)
Das. S. 131, Misatrarn Lnroxasnva N. XI. S. 258, eine Supplik derJuden, worin sie anzeben, daß der Kaiser vvn ihnen in 16 Jahren 660,066 fl.bezogen hat.