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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

haben wollten. Der Abfall des falschen Messias vom Judenthumbrachte ihn von seinem Wahne nicht ab; er blieb ein eifriger Partei-gänger desselben, rechtfertigte noch dazu dessen Verrath, als sei esnothwendig gewesen, daß der Messias zu den Sündern gezählt werde,damit er die Sünde des Götzendienstes für Israel abbüße und tilge.Das jesaianische Kapitel vom Messiasvolke und seiner Auferstehungvon den Todten, welches die Christen auf Jesus anzuw'enden Pflegten,deutete Cardoso ebenso verkehrt auf Sabbata'i Zewi. Er richteteüberallhin Sendschreiben, um das sabbatianische Messiasthum aufrechtzu erhalten und sich als Prophet zu geberden. Vergebens warnteund verspottete ihn sein nüchterner Bruder Isaak Cardoso undfragte ihn ironisch: ob er denn von seinen ehemaligen Liebeleien undseinen Lautenspielen für die schönen Mädchen von Madrid die Propheten-gabe empfangen habe? Der ehemalige Leichtsinn Abraham Cardoso'swar dadurch keineswegs verdutzt, er nahm vielmehr gegen seinenälteren und ernsteren Bruder, welcher die Kabbala gleich der Alchemieund der Astrologie gründlich verachtete, einen belehrenden Ton anund sandte ihm ganze Hände voll Beweise aus dem Sohar undandern kabbalistischen Schriften: daß Sabbata'i der wahre Messias sei,und daß er nothwendig dem Judenthum entfremdet sein müsse. Durchseinen Eifer gewann er für den sabbatianischen Schwindel viele An-hänger in Afrika; er zog sich aber auch Gegner und Gefahren aufden Hals. Ein Ungläubiger, Abraham Nunes in Tripolis, klagteden phantastischen Propheten öffentlich vor Juden, Türken und Christengewisser Vergehungen an, wodurch Cardoso beinahe in Ungnade beimBey gefallen wäre und sein Leben verwirkt hätte. Er entging aberdiesmal der Gefahr. Als er aber fortfuhr, von dem baldigen Beginnedes Messiasreiches zu prophezeien, obwohl von der Wirklichkeit so oftLügen gestraft, das Eintreffen desselben immer von einem Jahre aufdas nächste schob, kabbalistische Spielerei und Aufschneiderei trieb,einen neuen Gott für Israel aufstellte, oder vielmehr zwei oder dreiPersonen in der Gottheit predigte und zuletzt sich selbst als Messiasvom Hause Ephraim geberdete, wurde er von einem Gegner desUnwesens, von Isaak Lambroso, hart verfolgt. Dieser, ein ver-mögender und angesehener Mann, ließ es sich viel Geld kosten, umden falschen Propheten und Messias aus Tripolis verbannen zulassen. Cardoso war dadurch in seine ehemalige unangenehme Lagezurückversetzt, mußte ein Abenteurerleben beginnen, von seinem Wahnegewissermaßen Brod für sich und die Seinigen ziehen, trieb bald inSmyrna, bald in Constantinopel, auf den griechischen Inseln und inKairo allerhand Spiegelfechtereien und nährte den sabbatianischen