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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Die beiden Cardoso.

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Persönlichkeit, welche die Wandlungen der portugiesischen Juden seitihrer Vertreibung an sich verlebendigte. In einer kleinen portugiesischenStadt (Celarico, Prov. Beira) von marranischen Eltern geboren,studierte Miguel Cardoso wie sein älterer Bruder Fernando Medizin;aber während dieser sich mit Ernst den Wissenschasten ergab, ver-tändelte Miguel in dem üppigen Madrid seine Tage im süßenNichtsthun, sang zur Laute Liebeslieder unter dem Balkon schönerDamen und dachte sehr wenig an die Kabbala oder an das Judenthum.Was ihn bewogen hat, Spanien zu verlassen, ist nicht bekannt; vielleichthat ihn sein ernsterer und gesinnungstüchtiger Bruder mitgerissen, der,nachdem er bereits als medizinischer und naturwissenschaftlicher Schrift-steller sich in Spanien einen Namen gemacht hatte, ans Liebe zumJudenthum nach Venedig auswanderte und dort sich in die jüdischeLiteratur vertiefte. Beide Brüder nahmen nach ihrer Rückkehr zurReligion ihrer Väter jüdische Namen an. Der ältere Isaak Car-doso gab seinen Namen Fernando ganz auf, der jüngere nahmzum Namen Miguel (Michael) noch den Namen Abraham hinzu.Beide dichteten spanische Verse. Während der ältere Bruder eingeregeltes Leben führte, getragen von sittlichen Grundsätzen undeinem vernünftigem Glauben, verfiel der jüngere haltlos der Regel-losigkeit einer ausschweifenden Phantasie und eines excentrischenWandels. Isaak Cardoso (geb. 1615, st. nach 1680) verherrlichtedas Judenthum, Abraham Michael Cardoso (geb. um 1630,st. 1706) schändete es.

Dieser, welcher ebenfalls in Venedig zum Judenthum zurück-gekehrt war, lebte von der Arzneikunde in Livorno, befand sich aberin mißlichen Verhältnissen. Als der Bey von Tripolis einen Leib-arzt suchte, empfahl der Herzog von Toskana Abraham Cardoso) sofand er eine feste Lebensstellung, und es schien, als wollte er eingesetztes Leben beginnen. Allein seine heißblütige und zerfahreneNatur hinderte ihn daran. Gegen die Gewohnheit selbst der afrikanischenJuden heirathete er zwei Frauen und anstatt sich mit seiner schwierigenWissenschaft zu beschäftigen, hing er der Phantasterei nach. Cardososcheint von dem in Livorno weilenden Mose Pinheiro (o. S. 190)in die Kabbala und in den sabbatianischen Schwindel eingeweiht wordenzu sein. Seit dieser Zeit hatte er fortwährend Träume und Gesichte,welche mit dem öffentlichen Auftreten Sabbatai's in Smyrna undConstantinopel immer mehr Zunahmen. Er steckte damit seine Weiberund Hausgenossen an, die ebenfalls allerhand Erscheinungen gesehen