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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

gegenwärtig unerschütterlichen Glaubens gegen' seinen ehemaligenUnglauben*). Indessen mochten die Portugiesen sich doch nicht mitdem Marktschreier Sabbatai Raphael einlassen, zumal sie durch einenangesehenen Mann von Frankfurt aus gewarnt worden waren. Aberdie deutsche Gemeinde in Amsterdam trieb wahre Abgötterei mit ihm,ließ ihn in ihrer Synagoge predigen und war begeistert von seinermystischen Beredsamkeit in der Sohar-Sprache, die weder sie, noch erverstanden. Als er sich aber als Prophet geberdete, mit Elias imVerkehr zu stehen vorgab und Verwirrungen veranlaßte, gab ihm derportugiesische Vorstand einen deutlichen Wink, Amsterdam zu verlassen.Sabbatai Raphael wandte sich zwar an den Magistrat um Schutzund verklagte den Vorstand; es half ihm aber nichts; er wurde aus-gewiesen (Anfang Nov. 1667). Er begab sich hierauf nach Hamburg;aber hier kam er Anfangs nicht gut an, hier hatte Jakob Sas-portas' Wyrt viel Gewicht, der sich von Anfang an den sabbatia-nischen Tollheiten entgegen gestemmt hatte; sein richtiger Blick hattesich bewährt. Sabbatai Raphael war auch klug genug, sich vor ihmAnfangs zu demüthigen, leugnete seine Prophetenrolle und heuchelteReue. Inzwischen hatte er sich bei den deutschen Juden eingeschmeichelt,und sich sogar, als angeblicher Heilkünstler, der Protektion einesder Bürgermeister versichert, der am Podogra gelitten hatte,. wodurchseine Ausweisung nicht so leicht war. Erst als seine gemeine Naturan den Tag gekommen war, entfloh er nach Polen (Anfangs 1668).Welchen Schwindelgeist er unter den polnischen Juden erregt habenmag, ist nicht bekannt geworden. Vier Jahre später tauchte derProphet von Morea wieder in Smyrna und Kleinasien auf undregte wieder die heimlichen Sabbatianer auf. Die Rabbinen ließenihn aber einkerkern, angeblich wegen frecher Unzucht'*). Seitdem ister verschollen.

Inzwischen trieb der Prophet von Gaza sein Unwesen in Italien.Als er, von Griechenland kommend, in Venedig landete (Ende März1668), wollten ihn Rabbinat und Vorstand, welche Kunde davonhatten, gar nicht in's Ghetto einlassen. Aber ein Sabbatianer ver-wendete sich für ihn bei angesehenen Christen, und unter solchemSchutze konnte er nicht so bald ausgewiesen werden. Um aber dieBetheiligten von dem Schwindel zu heilen, erpreßte das Rabbinatvon ihm ein schriftliches Bekenntniß, daß seine Prophezeiung von

*) Sasportas Lsat UobsI 2sbi x. 25 b: (x'sviL pL'io) »sn.-iNote 3, II. 2.