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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Sabbatal Raphael. 225

auf den Inseln Chios und Corfn. Sein Blick war aber hauptsächlichauf Italien gerichtet.

Auch hier dauerte der Wirrwar noch fort*). Denn ans dieerste Nachricht von Sabbata't's Abtrünnigkeit war keine zweite gefolgt,weil in Folge des candiotischen Krieges die Schiffe der Christen vonden Türken gekapert wurden. So hatten die Sabbatianer freienSpielraum, ihren Glauben zu behaupten und jene Nachricht als einlügenhaftes Gerücht zu verschreien, zumal von Kairo aus, von RaphaelJosef Chelebi, und anderen Orten ermuthigende Schreiben für sie ein-gingen. Die abgeschmacktesten Märchen über Sabbatal's Macht undAnsehen an der Pforte wurden in Italien verbreitet und fandenGlauben. Mose Pinheiro, Sabbatai's alter Genosse, Raphael Sofinoin Livorno, die Amsterdamer Schwärmer Isaak Naar und AbrahamPereyra, welche nach Italien gekommen waren, um den Messias auf-zusuchen, hatten ein besonderes Interesse daran, sich an einen Stroh-halm zu klammern, um wenigstens nicht als Betrogene verlachtzu werden. Geradezu auf Täuschung und Betrug legte es aber derunwissende, marktschreierische Wanderprophet Sabbatal Raphael")aus Morea an, der sich damals in Italien aufhielt. Er scheint dorteine gute Ernte gemacht zu haben. Als aber endlich an der That-sache von Sabbatai's Religionswechfel nicht zu zweifeln war, wendeteer seine Schritte nach Deutschland, wo wegen mangelhafter Postver-bindung und geringen Verkehrs der Juden mit der Außenwelt, diesein ihrer Leichtgläubigkeit nur eine traumhafte Vorstellung von denVorgängen hatten und die albernsten Märchen für baare Münzenahmen. In Frankfurt a. M. soll sich Sabbatal Raphael mancherVergehen gegen das rabbinische Judenthum schuldig gemacht haben,ohne in Mißcredit zu verfallen. Er galt einmal als Prophet. Jndeßschien sich Sabbatal Raphael mehr Gewinn von der reichen Amster-damer Gemeinde zu versprechen und begab sich dorthin (Sept. 1667).Auch hier dauerte der Schwindel noch fort. Aus Schamgefühl, daßsie, die klugen und gebildeten Portugiesen so sehr betrogen sein sollten,schenkten sie Anfangs den Nachrichten von Sabbatai's Verrath keinenGlauben. Selbst die Rabbinen Isaak Aboab, Mose Raphael deAguilar und der philosophische Zweifler Musaphia blieben zähe undmochten die in Folge der messianischen Erwartung eingeführten Ge-bete und den sabbatlichen Priestersegen nicht aufgeben ^). Mit Rechtverhöhnte sie Jakob Sasportas, namentlich den Letztern wegen seines

r) Das. x. 37 fg.

') Note 3, II. 2.

Sasportas IlsspioLssii lllo. 6871.

Graetz, Geschichte der Juden. X.

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