220 Geschichte der Juden.
warf sogleich seine jüdische Kopfbedeckung zum Zeichen der Verachtungauf die Erde, ein Page reichte ihm einen türkischen, weißen Turbanund ein grünes Oberkleid statt des schwarzen, und somit war seinUebertritt zur mohammedanischen Religion vollzogen. Bei demKleiderwechsel soll man mehrere Pfund Zwieback in seinen weitenBeinkleidern gefunden Habens. Der Sultan war mit diesem Aus-gang der Bewegung sehr zufrieden, gab ihm den Namen MehmedEffendi und ernannte ihn zu seinem Thürhüter — Capigi BaschiQtorak — mit einem nicht geringen Monatsgehalte; er sollte inseiner Nähe bleiben. Die Messiasfrau Sara, die schöne, unzüchtige,polnische Rabbinerstochter, wurde ebenfalls Mohammedanerin unterdem Namen FaumaKadin, und erhielt von der Sultanin reicheGeschenke. Einige seiner vertrautesten Anhänger gingen ebenfalls zumIslam über. Der Mufti Wanni unterrichtete sie in der mohammedanischenReligion. Sabbatal soll zu seiner Frau Sara, auf Befehl des Mufti,noch eine mohammedanische Sclavin geehelicht haben. Nehemia Kohen,der diese plötzliche Wandlung zu Wege gebracht hat, blieb aber nichtin der Türkei, sondern kehrte nach Polen zurück, legte den Turbanwieder ab und lebte still, ohne auch nur ein Wort von den Vor-gängen zu verrathen. Er verscholl eben so plötzlich wie er aufgetauchtwar. Frech schrieb der Ex-Messias einige Tage nach seiner Be-kehrung an seine Brüder nach Smyrna: „Gott hat mich zum Jsmaeliten(Türken) gemacht; er befahl und es geschah. Am neunten Tage nachmeiner Wiedergeburt." Ungefähr in derselben Zeit versammelten sichsämmtliche Rabbiner und Vorsteher von Lehrhäusern in Amsterdamund richteten ein Huldigungsschreiben an Sabbatal Zewi, um ihmihre Gläubigkeit und Unterwürfigkeit zu bezeugen. Der halbe SpinozistDionys (Benjamin) Mussaphia, gekränkt darüber, beim Absenden desSendschreibens nicht zugezogen worden zu sein, richtete an Zewi eineigenes Sendschreiben, mit seiner Namensunterschrift und der vonzwei Mitgliedern des Lehrhauses versehen (24. Elul). Eine Wochespäter sandten 24 angesehene Männer aus Amsterdam abermals einHuldigungsschreiben an den bereits apostasirten Messias. An derSpitze derselben stand Abraham Gideon Abudiente^). Ob dieseSchreiben dem Türken Mehmed Effendi zu Händen gekommen sind?In Hamburg, wo man ebenfalls keine Ahnung von seiner Bekehrunghatte, wurde über Sabbatal am Versöhnungstage (9. Oct. 1666)fünfmal der Segen gesprochen. Ein Greis, der es nicht mit anhören
') Anonymer holländischer Bericht p. 20.
") Diese drastische Scene ist sehr gut geschildert von Sasportas a, a. O.p. 25 g, d. Vergl. Monatsschr. Jahrg. 1876, S. 145 fg.