Nehemia Kohen.
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wurde er sogleich zur Audienz vorgelassen, die ausnahmsweise mehrereTage dauerte. Der polnische Prophet und der Smyrnaer Messiaslachten nicht einander in's Gesicht, wie zwei Vogelschaupriestcr, sonderndisputirten ernst und eifrig mit einander. Der Gegenstand ihrermystischen Unterredung ist, wie sich denken läßt, unbekannt geblieben.Mau erzählte sich, sie habe den messianischen Vorläufer, den Ephrai-mitischeu Messias betroffen, ob dieser sich bereits gezeigt habe und um'sLeben gekommen sei — wie es nach der Schablone geschehen müßte— oder nicht. Nehemia wurde von der langen Disputation nichtüberzeugt und verhehlte es auch nicht. Deßwegen sollen die fana-tischen Sabbatianer einander verstohlen zugewinkt haben, den ge-fährlichen Polen bei Seite zu schaffen. Er entkam aber glücklich ausdem Schlosse und begab sich sofort nach Adrianopel zum KaimakamMustafa, wurde Türke und verrieth demselben die phantastischen undhochverräterischen Pläne, welche Sabbata'i Zewi hegte, die der Regie-rung nur deßwegen unbekannt geblieben seien, weil der Aufseher desDardanellenschloffes ein Interesse an dem Zuströmen der Juden hätte.
Der Kaimakam überbrachte die Nachricht dem Sultan Moham-med IV., und das Verfahren gegen Sabbatai Zewi wurde reiflicherwogen, wozu auch der Mufti Wanni hinzugezogen wurde. KurzenProzeß mit dem phantastischen Aufwiegler zu machen, schien demRath unthunlich, zumal auch Türken ihm anhingen. Fiele er alsMärtyrer, so könnte daraus eine neue Sekte entstehen, welche Zünd-stoff für neue Unruhen geben könnte. Wanni, ein bekehrnngssüchtigerOberpriester, schlug vor, den Versuch zu machen, Sabbatal zum Islamherüber zu bringen. Dieser Rath wurde befolgt, und der Leibarztdes Sultan (Hekim Baschi), ein jüdischer Renegat, Namens Guidon,wurde in's Mittel gezogen. Ein Tschausch (Sendbote) erschien plötzlichin Abydos, vertrieb die Juden, die den Messias huldigend belagerten,führte diesen nach Adrianopel und brachte ihn zuerst mit dem HekimBaschi zusammen, der als ehemaliger Glaubensgenosse ihn leichterwürde überreden können. Der Leibarzt stellte ihm vor, welchegrausige Strafe ihn unfehlbar treffen würde — er würde mitbrennenden Fackeln, am Leibe gebunden, durch die Straßen gepeitschtwerden, wenn er nicht den Zorn des Sultans durch Annahme desIslam beschwichtigen wollte. Man weiß nicht, ob diese Zumuthungzum Abfall vom Judenthum dem eingebildeten Messias viel Seelen-kampf gekostet hat. Mannesmuth hatte er überhaupt nicht, und dasJudenthum in der bestehenden Gestalt war für ihn vielleicht bereitsüberwunden. So ging er auf Guidons Rath ein. Tags darauf(13. Elul, 13. Sept. 1666) wurde er vor den Sultan geführt. Er.