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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Die überhandnehmende Gläubigkeit.

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Portas ließ laut seine warnende Stimme gegen den Schwindel ver-nehmen. Er rieb sich förmlich auf, um überallhin zu korrespondireu,hier auf die Lächerlichkeit hinzuweiseu und dort genaue Erkundigungeneinzuziehen. Es nützte nicht viel. Er bekam von keiner Seite, wieer es wünschte, ganz augenfällige Beweise von Sabbatais oder Nathansfalschem Spiele. Abraham Amigo, einer der Rabbiner Jerusalems,welcher zu Sabbatais Verbannung beigetragen hatte und um wahr-heitsgetreue Auskunft angegangen wurde, ertheilte keine Antwort*),vielleicht, weil er es mit den Sabbatianern nicht verderben und dieGeldsendungen für Jerusalem nicht auf's Spiel setzen wollte. BonConstantinopel aus, wo die Rabbinen am besten im Stande waren,über Sabbatai wahrheitsgemäß zu berichten, bestätigte AbrahamJachini, im Namen des Rabbinencollegiums, Sabbatais Messianitätund baldiges Erlösungswerk, nm die Judenheit geflissentlich noch mehrin die Irre zu führen^). Fälschungen von Sendschreiben und Akten-stücken waren überhaupt an der Tagesordnung, Gewissenhaftigkeitund Aufrichtigkeit im Strudel ganz abhanden gekommen. -So ver-dichtete sich immer mehr die Nebelhülle des Wahnglaubens, und eswar Niemand mehr im Stande, hinter die Wahrheit zu kommen.Die eifrigsten Sabbatianer fuhren fort, den glühendsten Fanatismuszu predigen. David Jizchaki z. B. schrieb nach Livorno: JederJude sei verpflichtet, an den Messias Sabbatai Zewi ebenso wie anGott und seine Lehre zu glauben^).

Indessen führte Sabbatai bereits drei Monate (April Juli)im Dardanellenschloß ein wahres Fürstenleben und war nur auf dieeigene Vergötterung bedacht?. Entweder aus eigenem Antriebe oderuns Samuel Primos Eingebung erklärte er den Fasttag des siebzehntenTammus ebenfalls für aufgehoben, weil er an diesem Tage seinmessianisches Bewußtsein erlangt habe*). War es übermüthige Launeoder die Absicht, seine Gläubigen an Aufhebung des rabbinischenJudcnthums zu gewöhnen? Genug, er bestimmte den 23. Tammus(26. Juli), einen Montag, den siebenten Tag nach seinem Erwachenzu messianischem Bewußtsein, als strengen Sabbat, als großenSabbats. Mehr als vier Tausend Juden, Männer und Frauen,die sich gerade an diesem Tage in Abydos befanden, feierten diesenneuen Sabbat mit großer Gewissenhaftigkeit. Im Voraus sandte er

*) Sasportas a. a. Orte x. 24 b.

") Das. x. 12 b.

°) Das. x. 31 b.

*) Das. p. 26 u.

°) Das. x. 26 a. der 23. Tammus fiel damals auf Montag.