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Geschichte der Juden.
brauchte. Der kluge Großwesir Achmed Köprili mochte ihn nicht demTode weihen, um nicht einen neuen Märtyrer zu machen und unterden Juden nicht einen todesmuthigeu Aufruhr zu erzeugen. AuchTürken, bezaubert von Sabbatai's Wesen und bethört von den außer-ordentlichen Wundererscheinungen, namentlich den Prophezeiungen vonFrauen und Kindern, gehörten zu seinen Verehrern. Aber es schienKöprili eben so bedenklich, ihn während seiner Abwesenheit im Kriegein Constantinopel zu lassen, wo er leicht Stoff zu einer immer zu-nehmenden Aufregung in der Hauptstadt abgeben könnte. Er befahldaher, ihn nach zweimonatlichem Gefäugniß in Constantinopel (Ans-Febr. bis 17. April) nach dem Dardanellenschlosse Abydos abzuführen,wohin Staatsgefangene in Gewahrsam gebracht zu werden pflegten. Eswar eine leichte Haft; einige seiner Freunde durften ihn dahin be-gleiten, Samuel Primo brauchte ihn nicht zu verlassen. Diese Festungnannten die Sabbatianer mit einem mystischen Namen: „Thurm derMacht (UliAäal O 2 )."
Wenn Sabbatai Zewi einen Augenblick an sich zweifelte, sowuchs ihm wieder der Kamm durch die Ortsveränderung, die rück-sichtsvolle Schonung von Seiten des Divan und die andauernde undzunehmende Anhänglichkeit der Juden. Er fühlte sich wieder voll alsMessias. Bei seiner Ankunft im Dardanellenschlosse (19. April) amRüsttage des Passahfestes schlachtete er für sich und seine Begleitereia Passahlamm und genoß es mit den Fettheilen, welche nach tal-mudischen Gesetzen verboten sind. Er soll dabei eine Segensformelgebraucht haben, welche andeuten sollte, daß das mosaisch-talmudischeund rabbinische Gesetz aufgehoben sei: „Gebenedeiet sei Gott, der dasVerbotene wieder gestattet". In Abydos richtete er eine förmlicheHofhaltung ein mit den bedeutenden Geldsummen, welche seine Brüderund seine reichen Anhänger ihm mit vollen Händen zufließen ließen.Seine Frau Sara durfte bei ihm weilen, geberdete sich als Messias-köuigin und bezauberte die Menge durch ihre Reize. In der türkischenHauptstadt wimmelte es von Schiffen, welche seine Anhänger nachdem Dardanellenschlossc führten. Der Fahrpreis für Schiffe stieg da-durch von Tag zu Tag ^). Auch aus allen Ländern und Erdtheilenströmten Schaaren von Juden nach dem Orte seines Gefängnisses,um seines Anblicks gewürdigt zu werden. Der Kastellan des Schlossesstand sich gut dabei; denn er ließ sich von den Besuchern Einlaßgeldzahlen und steigerte es bis fünf oder zehn Thaler für die Person.Auch die Einwohner des Städtchens hatten ihren Nutzen davon, weil
st Anonymer holländischer Bericht, S. 19.