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Geschichte der Juden.
gehalten, er habe die talmudischen Schriften hochverehrt und geküßtund die talmudischen Weisen als seine Lehrer anerkannt.
Das Richtige ist wohl, daß Sabbatal Zewi in seiner eitlen Selbst-bespiegelung alles das hinnahm, was die Thatkräftigen seines Anhangesgelehrt nnd vorgeschlagen haben. Die Auflösung des bestehendenJudenthums begannen sie mit der Verwandlung des zehnten Debet(^osara ds-Debet) in einen Freudentag. Samuel Primo richtete imNamen seines Götzen ein Sendschreiben an Gesammtisrael in halb-officieller Form. „Ter einige und erstgeborene Sohn Gottes, SabbataiZewi, Messias und Erlöser des israelitischen Volkes, allen SöhnenIsraels Frieden! Nachdem ihr gewürdigt worden seid, den großenTag und die Erfüllung des Gotteswortes durch die Propheten zusehen, so müssen eure Klage und Trauer in Freude und euer Fastenin frohe Tage verwandelt werden, denn ihr werdet nicht mehr weinen.Freut euch mit Gesang und Lied und verwandelt den Tag, der sonstin Betrübniß und Trauer verlebt wurde, in einen Tag des Jubels,weil ich erschienen bin." So fest wurzelte bereits der Glaube anSabbatai Zewi in den Gemütheru, daß die Gemeinden, denen dasSchreiben zeitig genug zugekommeu war, diesen Festtag cinstcllten, ob-wohl sie nur durch strenges Fasten in das Messiasreich eingehen zukönnen vermeinten. Die Stockorthodoxen wurden aber wegen dieserersten Neuerung stutzig. Sie konnten sich den Messias nicht anders,denn als streng frommen Rabbi vorstellen, der, wenn möglich, nochneue Erschwerungen ausklügeln würde. Tausendfach hatten sie es zwarim Sohar gelesen und einander wiederholt: daß in der messianischenZeit die Trauertage in Festtage umgewandelt werden und das Gesetzüberhaupt nicht mehr bindend sein würde; als aber Ernst damit ge-macht wurde, ergriff sie ein förmliches Entsetzen. Diejenigen Rabbinen,welche früher als halbungläubig dem Treiben zugesehen, oder, um diejedenfalls heilsamen Büßungen und Bethätigung der Wohlthätigkeitnicht zu stören, dazu geschwiegen hatten, erhoben ihre Stimme gegendas gesetzauflösende Messiasthum. Es bildete sich daher in jedergrößeren Gemeinde eine allerdings kleine Partei von Ungläubigen<Loki'iw), meistens Talmudknndigen, welche das Bestehende vor jedemAngriff und vor Zerstückelung schützen wollten.
Das rabbinische Jndenthum und die Kabbala, bisher Eng-verbündete, fingen an mit einander in Streit zu gerathen, die zwei-deutige Bundesgenossin zeigte sich endlich in ihrer wahren Gestaltals Feindin des Stockrabbinismus. Aber diese ernüchternde Entdeckung,daß die Rabbinen an der Kabbala eine Schlange im eigenen Busengroßgczogen hatten, erkannten doch nur Wenige. Sie blieben ihr noch