Die sabbatianische Theorie.
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und verherrlicht, daß er Gott so nah als möglich zu stehen kam.Die lurjanisch-kabbalistische Theorie hatte die Verkehrtheit in der Weltvon dem Ueberströmen des Göttlichen abgeleitet, weil diese die ganzeFülle nicht zu fassen vermocht habe. Es sei daher eine Unordnungeingetreten, Gutes und Böses seien vermischt worden, das Böse habedie Oberhand über das Gute erhalten. Die Sabbatianer oder einerderselben (Samuel Primo?) bauten auf diesem Grunde weiter. Ausdem göttlichen Schooß (dem Allen der Tage) habe sich eine neuegöttliche Person entfaltet, welche die Ordnung der Welt wieder her-zustellen im Stande sei, wie sie im Plane der göttlichen Vollkommen-heit gelegen habe. Diese Person sei der heilige König (L-lalka.kaäisolm), der Messias, der ausgebildete Urmensch (L,üaw Lackmon),der das Böse, die Sünde, den Fall der Geister aufzehren und dieversiegten Gnadenströme wieder in Fluß bringen werde. Er, derheilige König, der Messias, sei der wahre Gott, der Erlöser und Be-freier der Welt, der Gott Israels; ihm allein müsse Anbetung zuTheil werden. Der heilige König und Messias enthalte zwei Naturen,eine männliche und eine weibliche; er vermöge wegen seiner höherenWeisheit mehr zu leisten als der Weltenschöpfer, mit dem er so ziemlicheins sei, indem er doch dessen Plan der Verwirklichung zuführe. Eswar die alte Gnosis in einem andern Gewände, von der höhern Naturdes Messias-Christus und von dessen Ueberlegenheit über den Welten-schöpfer. Einige Sabbatianer sprachen die lästerlichsten Dingeunzweideutig aus: bis zum Erscheinen des Messias habe nur einuntergeordneter Engel (Netatoron) die Welt und Israel regiert, underst mit Sabbatai Zewi gelangte die Gottheit zur Allmacht, oder Gotthabe sich von der Weltherrschaft zurückgezogen und Sabbatai zu seinemStellvertreter eingesetzt. Sie erzählten von ihm: er habe sich mit An-wendung eines Verses im Hohenliede geäußert: „Gott gleicheZewi".Samuel Primo, welcher die Sendschreiben und Regierungserlasse imNamen des Messiaskönigs ausfertigte, setzte öfter als Unterschrift: „Ich,der Herr, euer Gott Sabbatai Zewi"^). Ob der Schwärmer vonSmyrna wirklich diese gotteslästerliche Vermessenheit hegte, läßt sichnicht entscheiden und eben so wenig, ob er in seinem Innern dasGesetz des Judenthums vollständig aufgehoben und außer Kraft ge-setzt hat. Denn wiewohl einige Sabbatianer, welche diese Verrücktheitenaussprachen, sie aus seinem Munde vernommen haben wollten, sohaben andere Jünger das Entgegengesetzte überliefert: er habe andem Gottesbegriff, wie ihn Bibel, Talmud und Sohar lehren, fest-
9 S. über alle diese Blasphemien Note 3, Nr. 17.
Graetz, Geschichte der Juden. X. 13