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Geschichte der Juden.
und Leben zur Verfügung stellten und ihn mit Geschenken überhäuften.Wäre er ein Mann von festem Plane und von Willenskraft gewesen,so hätte er mit diesem ungeheuchelten Enthusiasmus und dieser opfer-willigen Hingebung seiner Gläubigen doch etwas erzielen können.Faßte doch bereits Spinoza die Möglichkeit ins Auge, daß die Juden,bei dieser günstigen Gelegenheit und der Veränderlichkeit der mensch-lichen Dinge, ihr Reich wieder aufrichten und von Gott wieder er-wählt werden könnten^). Allein Sabbatai Zewi hatte an dem Kitzeldes Weihrauchs Genüge, er dachte an nichts Großes, oder er lebtevielmehr des Wahnes, daß sich die Erwartungen von selbst durch einWunder erfüllen würden. Samuel Primo und einige andere seinerVertrauten scheinen aber einen festen Plan verfolgt zu haben, nämlichdas rabbinische Judenthum zu durchbrechen oder gar es aufzuheben:Die Sache war eigentlich mit dem Messiasthnme gegeben. Der Grund-gedanke des Sohar, der Bibel der Kabbalisten, lautet: daß in derGnadenzeit, in der Welt der Ordnung (Olam Im-Diklruii), die Ge-setze des Judenthums, die Satzungen über Erlaubtes und Verbotenesvollständig ihre Bedeutung verlieren würden. Nun war diese imSinne der Sabbatianer bereits angebrochen, folglich müßte der weit-läufige, rituelle Codex des Schulchan Arnch als nicht mehr verbindlicherscheinen. Ob Sabbatai selbst diese Conseqnenz gezogen hat, istzweifelhaft. Aber einige Vertraute seines Anhangs haben entschiedendiese Theorie in den Vordergrund gestellt. Es herrschte überhauptin diesem Kreise eine gewisse Bitterkeit gegen den Talmud und dietalmudische Lehrweise. Hielt man den Sabbatianern entgegen: nachtalmudischen Angaben müßte der Messias eine ganz andere Stellungeinnehmen und einen anderen Charakter haben, so spotteten sie überdiese Autorität und sagten gerade heraus: die Lehrer des Talmudhätten nichts von der höheren Weisheit verstanden. Der Trockenheitund Verknöcherung des Talmud hatte schon der Sohar die Frische undden Phantasieschwung der Kabbala entgegengesetzt ^). Die sabbatianischenMystiker fühlten sich noch mehr von dem talmudisch-rabbinischen, dicht-gezogenen Netze eingeengt und suchten Schlinge nach Schlinge aufzulösen.Sogar eine neue Gottheit stellten sie auf und setzten für den GottIsraels einen Gottmenschen. In ihrer Spielerei und Deutungswuthhatten die Kabbalisten an dem Begriff der Gottheit soviel gemodelt,daß er ihnen in Nichts verschwamm und fast abhanden gekommen war.Ans der andern Seite hatten sie den Messias so sehr hinaufgeschraubt
*) Spinoza, lDi-aalutus MisoloAioo-xolitious III. Ende.") S. Band Vllg. S. 2t3 fg.