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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Messianischer Taumel in Smyrna.

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bis ihr Leib vor Kälte und Feuchtigkeit erstarrte. Auf der anderenSeite überließen sie sich dem ausgelassensten Jubel und begingenFestlichkeiten über Festlichkeiten zu Ehren des Messias, so oft sichSabbatai Zewi blicken ließ stets umgeben von einem großenGefolge so oft er durch die Gassen Psalmen singend schritt,dieRechte des Herrn ist hoch, die Rechte des Herrn bringt Sieg", oderso oft er in einer Synagoge predigte und seine Messianität durchkabbalistische Auslegungen bewahrheitete. Er zeigte sich nur in Prozessionöffentlich, Wehte sich mit einem Fächer Kühlung zu, und wen er damitberührte, der war des Himmelreiches sicher. Der Freudentaumelseiner Anhänger kannte keine Grenzen. Jedes Wort von ihm wurdewie ein Gotteswort tausendfach wiederholt, ausgelegt, überboten undzugespitzt. Alles, was er that, galt als ein Wunder, wurde verbreitetund geglaubt. So weit ging die Raserei, daß seine Gläubigen inSmyrna und auch anderwärts, namentlich in dem Kabbalistennestvon jeher, in Salonichi, ihre Kinder zu zwölf, zehn Jahren, auchdarunter, mit einander verheiratheten 700 solcher Paare umnach kabbalistischem Wahnwitze den Rest der noch nicht geborenenSeelen in die Leiblichkeit eingehen zu lassen und dadurch das letzteHinderniß zum Eintreffen der Gnadenzeit zu beseitigen.

Die Thätigkeit Sabbatai Zewi's, bald durch öffentliches Auf-treten und Schaugepränge und bald durch stille Zurückgezogenheitdie Gemüther der naiven Gläubigen zu elektrisiren, ergänzte Sara,seine Frau, durch ihr nicht allzuzüchtiges Benehmen; sie wirkte ausdie Sinnlichkeit der männlichen Bevölkerung. Die Schranken derZucht, die im Morgenlaude unter den Juden viel enger gezogenwaren, als in Europa, wurden durchbrochen. Was bis dahin un-erhört war, das Zusammenkommen von Personen beiderlei Geschlechtsin größerer Menge, wurde noch überboten. In messianischem Freuden-räusche tanzten Männer und Frauen wie Rasende mit einander, undin der mystischen Verzückung soll mancher Unfug getrieben wordensein. Die Stimmen der Bedenklichen und der Tadler verstummtenimmer mehr, wie in einen Wirbel wurden Alle hineingerissen, unddie Ungläubigen unschädlich gemacht. Der Rabbiner AaronLapapa (st. 1674 Z, ein greiser, würdiger Mann, welcher anfangs lautgegen diese messianische Raserei sprach und den Bann gegen denUrheber verhängte, wurde von Sabbatai, zugleich mit andern Rabbinenöffentlich in einer Predigt geschmäht, seines Amtes entsetzt und zuletztgenöthigt, Smyrna zu verlassen. Unwürdig benahm sich dabei der

ff S. Asulai, Usn- ckalrod, I, ^äsxll 133 u. II, Ustll 87.