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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

ereignisses zu geben. Er allein blieb inmitten der immer mehr an-schwellenden Schwärmerei nüchtern und gab den Wahnwitzigen Richtungund Ziel. Primo scheint'aus Ueberzeugung Sabbatai's Ruhm ver-kündet zu haben; er hatte einen geheimen Plan, der durch den Messiasherbeigesührt werden sollte. Er scheint viel mehr Sabbatai benutzt zuhaben, als von ihm benutzt Worden zu sein. Sabbatai hatte Taktgenug, in Smyrna sich nicht sogleich ganz offen als Messias zubekennen; er gebot vielmehr der gläubigen Menge, noch nicht davonzu sprechen, bis seine Zeit gekommen sein würde. Aber diese Zurück-haltung, verbunden mit andern Umständen, den rasenden BriefenNathan's, der Ankunft einiger Jerusalemer, welche ihm die Huldigungder heiligen Stadt allerdings ohne Auftrag überbrachten, denschwersten Kasteiungen, welche sich das Volk auflegte, um die Sündenzu büßen und würdig für die Messiaszeit zu werden, dieses Alleswirkte spannend und aufregend auf die Menge, und sie konnten denTag seiner Offenbarung kaum erwarten. Tie Kabbalisten hatte erohnehin durch seine mystischen Deutungen auf seiner Seite. Endlicherklärte sich Sabbatai Zewi öffentlich in der Synagoge unter Hörner-schall für den erwarteten Messias (Neujahr 10. September 1665),und die Menge jauchzte ihm entgegen:Es lebe unser König, unserMessias." Das Sprichwort, der Prophet gelte am wenigsten inseiner Heimath, wurde diesmal Lügen gestraft. Die Raserei derSmyrnaer kannte keine Grenzen. Alle Zeichen der Verehrung undder schwärmerischen Liebe wurden ihm erwiesen. Es war keine Freude,sondern ein Taumel, daß der so lang erhoffte Messias endlich erschienenund in ihrer Gemeinde erschienen sei. Der Taumel ergriff Großund Klein. Frauen, Mädchen und Kinder fielen in Verzückung undverkündeten in der Sprache des Sohar Sabbatai Zewi als den wahrenErlöser. Das Prophetenwort: daß Gott am Ende der Tage seinenGeist über Unmündige ausgießen werde, schien in Erfüllung gegangen.Alle bereiteten sich zum baldigen Anszuge, zur Rückkehr nach demheiligen Lande vor. Die Geschäftsleute vernachlässigten seitdem Handelund Wandel und dachten nur an das bevorstehende Messiasreich. DieVerwirrung der Köpfe zeigte sich in der Art, wie die SabbatianerSmyrna's sich die Theilnahme an dieser Gnadenzeit verdienen wollten.Auf der einen Seite unterwarfen sie sich unglaublichen Kasteiungen,fasteten mehrere Tage hintereinander, wachten Nächte hindurch, umdurch kabbalistische Gcbetformeln (Dikknnim) in der Mitternachtsstnndedie begangenen Sünden und deren Wirkungen zu verwischen, badetenauch in schneidender Kälte oder gar im Schnee. Einige gruben sichbis an den Hals in die Erde ein und blieben in diesem Grabesbette,