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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

wiederholte sie beständig die Worte: sie sei dem Messias, der bald er-scheinen werde, zur Frau bestimmt. Nachdem sie unler dem NamenSara einige Jahre in Amsterdam gelebt, war sie, man weiß nicht auswelcher Veranlassung, über Frankfurt a. M. nach Livorno gekommen.Dort hat sie, wie glaubwürdige Zeugen versichern, von ihrer Schön-heit einen unsittlichen Gebrauch gemacht, und dabei blieb sie bei demfixen Gedanken, sie sei dem Messias zugedacht und dürfe keine andereEhe eingehen; es sei ihr aber gestattet, inzwischen ihren Geschlechts-trieb anderweitig zu befriedigen. Die abenteuerliche Geschichte diesesMädchens machte unter den Juden einiges Aufsehen und drang auchnach Kairo. Sabbatai Zewi, welcher Kunde davon erhielt, gab vor,auch ihm sei im Schlafe ein polnisch-jüdisches Mädchen zu seiner seelen-verwandten Frau, bestimmt worden, sandte einen Boten nach Livornound ließ Sara nach Kairo kommen.

Durch ihr zugleich phantastisches, freies, sehr wenig schüchternesWesen und ihre Schönheit machte Sara einen eigenartigen Eindruckauf Sabbatai und seine Genossen. Er selbst wurde dadurch von seinerMessianität fest überzeugt. Sabbatai und seinen Freunden war auchder unkeusche Lebenswandel dieser polnischen Abeuteuererin nicht un-bekannt. Aber auch das sollte eine messianische Fügung sein; er seiangewiesen worden, wie der Prophet Hosea, ein unzüchtiges Weibheimzuführen ^). Keiner war glücklicher, als Raphael Joseph Chelebi,daß in seinem Hause dem Messias die Messiasfrau zugeführt und an-getraut wurde. Er stellte fortan Sabbatai Zewi seine Reichthümerzur Verfügung und wurde sein erster einflußreicher Gläubiger. Manthat dem Manne Unrecht, als man aussprengte, er habe sich aus Eigen-nutz dem neuen Messias zugewendet, er habe dadurch die Concurrenzeines andern Juden auf sein Amt und seine Einkünfte vom Hafenzollverhindern wollen. Wenn die Erlösung der Juden und die Rückkehrin's heilige Land so nahe bevorstehe, wozu sich um weltliche Dingebekümmern, wozu die Münzpacht in Egypten übernehmen? Das sollRaphael Joseph Chelebi Allen gesagt haben, die auf seine Stellungund Einkünfte mit Neid geblickt hatten. Nein, nicht aus Habsucht,sondern aus Gläubigkeit und blinder Hingebung an die Kabbala hat ersich Sabbatai angeschlossen; er hat sich seine Parteinahme viel kostenlassen. Die warme Anhänglichkeit eines so hochgestellten, angesehenenund einflußreichen Mannes hat Sabbatai viele Gläubige zugeführt.Mit Recht sagte man damals von ihm: als Sendbote sei er nachEgypten gekommen und als Messias heimgekehrt. Denn von diesem

i) In der anonymen holländischen Quelle p. 12.